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Nachhaltigkeit: "Sinnmaximierung im eigenen Unternehmen zum Wohle aller"

by Miriam von Hektar Nektar
Sonntag, 13. Juni 2021, 00:00
(Foto: Ina Pfneiszl, Head of CSR, Simacek Facility Management Group (c) Simacek) 

Die Simacek Facility Management Group ist eine unserer Partner*innen im PROJEKT 2028 und setzt Maßstäbe mit ihrer Nachhaltigkeitstrategie. Für Simacek ist verantwortungsbewusstes Wirtschaften zentral in die Unternehmens-DNA eingeschrieben und so kann das Unternehmen als Best Practice für andere dienen. Ina Pfneiszl, Head of CSR & Corporate Marketing bei Simacek, hat uns einen Einblick in die CSR-Strategie eines der größten Facility Managers Österreichs gegeben.


Hektar Nektar: Welchen Stellenwert nimmt CSR und Nachhaltigkeit bei Simacek ein?

Ina Pfneiszl: Die nachhaltige Unternehmensentwicklung liegt bei uns in der Unternehmens-DNA, wir sind ein familiengeführtes Unternehmen und somit können Entscheidungen für längerfristige Entwicklungen getroffen werden. Simacek hat vor mehr als zehn Jahren begonnen, CSR als strategischen Managementansatz einzusetzen. Wir hatten uns damals angesehen, welche Stakeholder welche Needs haben und mit welchen Leistungen und Programmen starke Wirkungen erzielt werden können. Dies waren die gemeinsame Visionsarbeit, die partizipative Entwicklung unseres Codes of Conduct. An der Entwicklung waren über 80 Personen beteiligt, wie etwa von innovativen Bildungsinitiativen u. v. m. Unser erstes professionelles CSR-Audit fand 2010 mit der Quality Austria und Auditorin Frau Dr. Göd statt. Seither entwickelt sich der nachhaltigkeitsstrategische Ansatz immer weiter. Seit 2013 ist unser integriertes Managementsystem mit der ONR 192500 (Basis ISO 26000) zertifiziert. Diese Zertifizierung besagt, dass wir die Entwicklung unserer Organisation nachhaltig ausrichten und z. B. nach Standards wie GRI monitoren und jährlich prüfen lassen.

Hektar Nektar: Wie viele Mitarbeiter sind im Bereich CSR bei Simacek beschäftigt?

Ina: Es gibt Schlüsselbereiche und Rollen, die zum CSR-Kernteam zählen. Dies hat sich auch im Laufe der letzten 11 Jahre verändert. Heute besteht dieses Kernteam aus unserer Geschäftsleitung, dem HR Management, dem Key Account Management, dem Einkauf, der Umweltbeauftragten, der Compliancebauftragten, Lehrlingen, dem Betriebsrat und der CSR Leitung. Darüber hinaus haben wir immer wieder anlassbezogene Steuergruppen, wenn es beispielsweise um die Entwicklung von Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, oder dem Gütesiegel Nestor Gold, wo es um Organisationsentwicklung zum Thema alters- und alternsgerechte Rahmenbedingungen für Beschäftigte geht. Hier ist es uns wichtig, die Gruppen immer sehr divers zusammenzustellen, um alle diversitätsspezifischen Bedürfnisse repräsentiert zu wissen. Und last but not least alle Fachbereichsverantwortlichen, wo wir darauf achten, dass CSR-Kompetenzen für den jeweiligen Bereich – wir haben über 10 Geschäftsbereiche – vorhanden sind.


"Umweltschutz muss auch Bienen schützen"


Hektar Nektar: Was sind die Hauptaufgaben einer CSR Abteilung eines Facility Management Unternehmens, insbesondere dieser Größe? 

Ina: Die Aufgaben unserer CSR-Abteilung sind sehr vielfältig und umfassend. Es beginnt mit der Sustainability Strategie –  also auch die Erarbeitung der Ziele und Maßnahmen – geht über die Projektentwicklung, die Verantwortung für die Umsetzung, die Dokumentation und Evaluierung der Ergebnisse bis hin zur Sammlung des Datenmaterials für die Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Hektar Nektar: Welche Bereiche deckt Ihr bei Simacek mit euren CSR-Maßnahmen ab?

Ina: Es sind alle betriebswirtschaftlichen Teile des Unternehmens angesprochen: Die Handlungsfelder sind Führung, Gestaltung und Organisation -  hier finden sich auch die Themen Compliance und Risikomanagement; Mitarbeiter*innen – hier sind es Themen wie Bildung, Gesundheit und Soziales; Markt – hier auch die Themen Lieferketten, Umwelt und Gesellschaft.

Hektar Nektar: Wieso Bienenschutz? Inwiefern passt Bienenschutz in die CSR Strategie von Simacek?

Ina: Wir sind am sozialen Sektor sehr stark. Da wir ein Dienstleistungsunternehmen sind, ist der Faktor Mensch am höchsten zu bewerten. Auf diesem Sektor haben wir sehr viele Langzeitprojekte und auch Innovationen geschaffen. Auf dem Umweltsektor achten wir systematisch seit 2009 mittels EMAS und ISO 14001 auf unsere Umweltbilanz, seit Kurzem nehmen wir zudem an der Initiative „Let’s Go for Zero Emission“ teil. Wir haben aber etwas gesucht, dass sowohl als Mitarbeiter*innen-Initiative als auch Kund*innen-Incentive genutzt werden kann. Umweltschutz muss auch Bienen schützen, denn ohne diese ist unsere pflanzliche Vielfalt und Umwelt gefährdet. Mit Projekt 2028 können wir beide Welten wunderbar vereinen. Dass es letztlich auch einen gustatorischen Aspekt in Form des leckeren Projekthonigs gibt, ist das Tüpfelchen auf dem i. 

"Nur durch Wissensteilung von Best Practices lernen wir"

Hektar Nektar: Wie siehst Du das: Reicht es, wenn ein Unternehmen sich zu einer nachhaltigen Unternehmensführung bekennt und dafür alle nötigen Schritte setzt und für seine Stakeholder einen Nachhaltigkeitsbericht verfasst oder muss man als Unternehmen dieses Engagement auch nach außen kommunizieren?

Nur durch Wissensteilung von Best Practices lernen wir, denn wir bekennen uns dazu, eine lernende Organisation zu sein und dies ist schon im Ansatz ein wichtiger Aspekt in der CSR-Haltung, ebenso wie auch Kollaboration und Partizipation. Abgesehen davon erfolgt die Berichterstattung oft nur alle 2 oder 3 Jahre, je nach gesetzlicher Lage, also ob die Organisation berichtspflichtig ist oder nicht. Meiner Meinung nach haben alle ein Recht zu wissen, wie wir beim Thema Nachhaltigkeit agieren. Somit teilen wir uns auch einem Personenkreis mit, der gerne mehr über seinen künftigen Dienstleister wissen will. Dieser entscheidet sich eben vielleicht gerade deshalb für uns. Ich denke, dass alle Unternehmen die Verantwortung haben, zu prüfen, auf welche Weise bestehende oder künftige Lieferant*innen wirtschaften.  Die Verantwortung für der Lieferkette ist Teil einer gelebten CSR. Also ein eindeutiges Ja: Unternehmen, die ihre nachhaltigen Ergebnisse laufend nach außen kommunizieren, tragen dazu bei, ein insgesamt nachhaltigeres unternehmerisches Klima zu erzeugen.


Hektar Nektar: Welche Chancen siehst Du in der Nachhaltigkeitskommunikation und wo ortest Du Risiken? (Greenwashing etc.)

Ina: In Zeiten von Leaks und der raschen Verbreitung von Informationen in den sozialen Medien hat das Thema Greenwashing zunehmend an Bedeutung verloren. Bei Nachhaltigkeitsberichten kann man darauf achten, ob diese validiert sind, also von einer unabhängigen Kommission, die auch Fachwissen dazu hat, überprüft wurde. Jene Unternehmen, die ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement als gesamtheitlichen CSR-Ansatz gewählt haben, überprüfen von Jahr zu Jahr, wo Sie hinwollen und wo sie in der Erreichung Ihrer Ziele durch die gesetzten Maßnahmen stehen. Dieser systematische Ansatz wird auch in einem Audit überprüft. Heute ist der Wahrheitsgehalt von Informationen sehr rasch überprüfbar und deshalb ergibt es auch Sinn, über jene nachhaltigen Maßnahmen und Entwicklungen zu berichten, die stattfinden.

"Unternehmen mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik sind eindeutig resilienter"

Hektar Nektar: Wie schätzt Du die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ein, die keine Mühen und keine Kosten scheuen, um zu nachhaltig agierenden Betrieben/Organisationen heranzuwachsen im Vergleich zu Unternehmen, die diese Summen in andere wachstumsfördernden Maßnahme stecken?

Ina: Die Meinung, dass das Investment in nachhaltige Entwicklung weniger effektiv ist als andere wachstumsfördernde Maßnahmen, ist weit verbreitet. Aber genau das Gegenteil ist der Fall! Es gibt eindeutige Studien, die belegen, dass Unternehmen mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik eindeutig resilienter sind als jene, die ausschließlich auf Gewinnmaximierung setzen, frei nach dem Motto „koste es, was es wolle“. Diese Haltung hält sich nicht allzu lange. In den letzten zehn Jahren haben wenige Themen weltweit so viel Aufmerksamkeit in den Vorstandsetagen von Unternehmen erlangt wie das Thema Nachhaltigkeit. Unternehmen haben sich weltweit an den Global Compact-Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) orientiert und sich ihnen verpflichtet, ebenso wie etwa auch die österreichische Regierung. Es geht darum, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu schaffen, Kunststoffe einzuschränken, den Wasserverbrauch in der Produktion zu senken, erneuerbare Energiequellen zu erschließen, fossile Energieträger abzuschaffen u. v. m. Im letzten Jahr, als die COVID Pandemie weltweit Unternehmen und ganze Volkswirtschaften praktisch zum Stillstand brachte, erhielten nur wenige Konzepte so viel Aufmerksamkeit unter den Wirtschaftsführern wie jenes der Resilienz. Dazu ist, wie bereits erwähnt, die gute Nachricht, dass Nachhaltigkeit und Resilienz Hand in Hand gehen. Unternehmen, die nachhaltige Praktiken eingeführt haben, werden es auch in schwierigen Zeiten leichter haben, sich durchzusetzen. Die Pandemie hat bereits 2020 gezeigt, dass es zum Beispiel durchaus Sinn ergibt, in regionale Produktion zu investieren oder diese einzukaufen, weil es eben Situationen gibt, wo „billiger Produziertes“ plötzlich nicht mehr erhältlich ist. Auch etwas, das die regionale Marktwirtschaft seit sehr langer Zeit trommelt, nur geglaubt haben es wenige, aber eben nur bis jetzt.


Hektar Nektar: Ein Blick in die Zukunft: Nachhaltigkeit ist bei Konsument*innen wie bei Unternehmen gerade im „Trend“. Denkst Du, dass sie sich als Selbstverständlichkeit in Unternehmensstrategien etabliert oder nach einigen „Alibiaktionen“ wieder verschwindet und der (vermeintlich) größeren Wirtschaftlichkeit weichen muss

Ina: Die Entwicklung am Finanzsektor zeigt deutlich, dass die Wirtschaft künftig noch stärker in Richtung nachhaltigem Wirtschaften gefordert werden wird. Es wird zunehmend erkannt, dass in der nachhaltigen Entwicklung die große Chance liegt, dem Unternehmen mehr Stabilität und Sinn zu geben. Sinnmaximierung im eigenen Unternehmen zum Wohle aller – diese Haltung ist der Unternehmenskultur zuträglich und trägt auch zum Klimaschutz bei. Dieser sogenannte Trend ist ja in Wahrheit gar keiner, sondern es ist die logische Konsequenz aus dem heutigen Wissen heraus, das sich einiges ändern muss – und darüber wird bereits seit Jahrzehnten berichtet. Außerdem bewerten immer mehr Unternehmen die soziale und ökologische Bilanz ihrer Zulieferer. Das sind zwar die größeren, aber beliefert werden diese auch von kleineren Unternehmen. Ohne Maßnahmen und entsprechende Dokumentationen dazu wird es künftig immer schwieriger werden, Aufträge zu erhalten. In Wahrheit wird sich jedes Unternehmen, egal ob groß oder klein, die Frage stellen müssen, wie sieht es in meinem Betrieb mit den ökologischen und sozialen Maßnahmen aus.


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