Marian Aschenbrenner

Marian Aschenbrenner, 32 imkert seit 2011

In 2,3 Sätzen: Was fasziniert dich an der Biene?

Mit der ersten Wabe, die ich in der Hand gehabt habe, war ich Feuer und Flamme. Ab da war klar, dass ich imkern will.

Über mich

Stell dich doch kurz vor!

Ich bin Marian Aschenbrenner, Imker seit Februar 2011. Ich habe als Hobbyimker begonnen und Februar 2015 bin ich hauptberuflich Imker. Ich betreibe zudem eine Imkerschule. Das war aber reiner Zufall. Meine Mutter hat hobbymäßig begonnen. Als ich zu Besuch war, war gerade Honigernte und ich habe meiner Mutter geholfen. Ich war nur so semi-interessiert und habe mir gedacht: „Naja, im Stich lassen kann ich sie nicht. Schau ich mir das Ganze mal an.“

Wieso imkerst du?

Am Anfang war es einfach diese Faszination, dass da so viele Individuen auf einer Wabe sitzen und alles funktioniert. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, was die da überhaupt machen. Ich hatte noch nichts über Bienen gehört. Außer, dass ich gewusst habe, dass sie Blumen bestäuben. Diese ganze politische Thematik war mir vollkommen fremd. Ich bin da ziemlich naiv eingestiegen. Ich war einfach fasziniert von diesem Gewusel. Und dass dann Honig am Schluss da ist. Das waren so zwei Sachen, die mich einfach total fasziniert haben.

Schule, Pate oder Selbststudium – wie hast du das Imkern erlernt?

Ich habe mir sofort Bücher besorgt. Ich bin in die Hauptbücherei und habe einfach alles ausgeliehen, was ich bekommen habe. Als ich gemerkt habe, dass mir das viel zu wenig ist, habe ich mich angemeldet in Warth für einen Kurs. Ich habe mich für den Facharbeiter angemeldet, weil ich ein bisschen Zeit im Winter hatte. Ich habe gewusst, dass das funktioniert, da kann ich mir eine Woche mal frei nehmen. Also habe ich den Grundkurs gebucht. Der Facharbeiter nimmt eine Woche in Anspruch. Dort habe ich auch gemerkt, dass mir die Theorie ein bisschen zu wenig ist. Also bin zu einem größeren Imker gegangen, der gerade frisch eine große Imkerei übernommen hat. Er heißt Hans Fuchs, Mr. Bien nennt er sich selbst. Zu ihm habe ich gesagt: „Hans, ich bin kräftig, ich kann arbeiten, ich bin lernwillig. Nimm mich mit.“ Und so bin ich zwei, drei Jahre immer wieder mitgegangen und habe dann bei ihm und beim Toni Schleining oben in Mistelbach gelernt. Mit dem Know-how, dass ich da von den Zweien gelernt habe, habe ich meine Imkerei von drei ersten Völkern, jetzt auf rund 220 erweitert und immer auch welche verkauft. Ich habe das Gefühl, Imkern ist wie Germteig. Wenn man es im Griff hat und die Bedingungen passen, dann werden das immer mehr.

Wie nutzt du Vereine und wie ist der Zusammenhalt?

Das Vereinswesen ist etwas, was hier gewachsen ist in Österreich und dem ich grundsätzlich sehr positiv gegenüberstehe. Obwohl es für mich am Anfang schwierig war, weil es eine sehr verkrustete, alte Struktur ist. Auch weil es ohne Kosten verbunden ist beziehungsweise auf Freiwilligenbasis basierend. Das finde ich einfach etwas grundsätzlich Schönes, weil es da wirklich um die Biene geht. Das merkt man in Vereinen, die aktiv sind. Da geht es den Leuten um die Biene. Da ist einfach die Liebe zur Sache da. Gleichzeitig braucht es aber auch sehr professionelle Formen. Deswegen glaube ich, müssen Erwebsimkereien und Vereine zusammenarbeiten. Weil ein Verein kann gewisse Sachen nicht geben, die professionelle Imkereien zur Verfügung stellen können wie Kurse zu Königinnenzucht und das Know-how, das wirklich nur jemand haben kann, der davon lebt, weil er sich mindestens 40 Stunden die Woche um die Bienen kümmert.

Ältere ImkerInnen sollen angeblich ungern ihr Wissen teilen. Was denkst du darüber?

Das ist, glaube ich, eine starke Neiddebatte und oft auch Unwissen. Ich kenne viele Imker, die fürchten sich immer, dass das Finanzamt kommt. Und dabei gibt es überhaupt kein Problem damit. Das ist ganz klar geregelt. Bis unter 50 Völkern ist eine Liebhaberei. Mit Honig, soviel du willst. Das ist leider total traurig, dass das die Leute nicht wissen. Diese Angst ist auch vor Kontrollen in Richtung Etiketten da. Da bekommt man gleich mal eine Strafe, da macht jeder mal einen Fehler. Bei der Schriftgröße, der Ausstattung des Schleuderraums – Dinge, vor denen man sich fürchtet. Deswegen passen alle ein bisschen auf, was sie erzählen und wollen niemanden reinschauen lassen. Oder vielleicht sind meine Waben doch ein bisschen älter und nicht so schön. Das ist so ein bisschen der Gedanke, glaube ich, in der älteren Generation. Neid und Angst. Manche schämen sich auch, wenn viele ihrer Bienen über den Winter sterben. Für mich war es von Anfang an klar, wenn mein Bienenvolk stirbt, dann suche ich nicht die Schuld bei anderen. Ich habe erst einmal alles durch gedacht, was ich falsch gemacht haben könnte. Ich habe fünf Sachen gefunden bei jedem Bienenvolk, was ich anders machen hätte können, um sicher zu stellen, dass es dem Volk gut geht. Es ist aber auch nicht sinnvoll, bei jedem Volk alles zu machen, dass es über die Runden kommt. Es spielt einfach auch die Genetik eine Rolle. Es ist okay, wenn schwache Völker, die nicht ohne den Menschen lebensfähig sind, sterben. Wir sollten keine schwache Bienen züchten. Das ist nicht der Sinn. Für Hobbyimker ist natürlich das Wichtigste, dass sie ihre Bienen über den Winter bekommen und im Frühjahr begrüßen dürfen. Da schämt man sich natürlich, weil dein Herz daran hängt und es tut einem weh. Alle Imker, die ich getroffen habe, liegen die Bienen am Herzen. Das ist natürlich ein sehr emotionales Thema, das Sterben von Bienen.

Was unterscheidet die neue Imkergeneration von der alten?

Die neue Generation ist viel anspruchsvoller und selektiver. Sprich, der Anspruch, wie Information aufbereitet sein muss, ist viel höher. Es muss professioneller sein, dichter und kompakter. Man braucht wissenschaftliche Informationen. Man braucht Quellen. Die Menschen, die bei uns die Imkerausbildung machen wollen fundierte Informationen.

Wie viel sollte ein Kilo Honig deiner Meinung nach kosten?

Unter 15 Euro darf man ein Kilo Honig nicht verkaufen. Das kann sich jeder Mensch, der keinen exorbitant hohen Honigkonsum hat, die paar Euro mehr leisten. Und die kommen wirklich bei den Imkern an. Wir müssen mit dem Welthandel konkurrieren. Ich kann aber mit einem chinesischen Honig nicht konkurrieren. Und ich kann auch mit einem rumänischen Honig nicht konkurrieren. Das mag auch ein guter Honig sein, aber das ist ein ganz anderer. Der ist anders produziert, der ist nicht aus der Region, hat diesen Mehrwert nicht. Die Pollen und Inhaltsstoffe aus deiner direkten Umgebung sind da nicht drin. Und das ist das, was du brauchst. Damit die lokale Bestäubung sicher stellst. Wenn man Bienen retten will, muss man die Imker finanziell unterstützen, dass die sich erfolgreich um die Bienen kümmern können.

Gibt es ein Bienensterben oder nicht? Begründe bitte deine Meinung.

Das Bienensterben war verbunden mit einem Imkersterben, finde ich. Also vor allem in Europa. Also, das wirkliche Bienensterben, dieses Colony Collapse Disorder in den USA, das ist eindeutig eine Krankheit. Das ist wissenschaftlich aufgearbeitet. Gibt es und gab es, es ist nicht mehr so kritisch. Das war einfach auf die Praxis der Imker zurückzuführen. Internationaler Handel und auch die ganzen Stressfaktoren, wir kennen sie. Also in der Imkerschaft wissen wir es. In Europa ist es ein bisschen ein anderes Problem gewesen. Da war natürlich auch die Spritzmittelproblematik und die klimatischen Veränderungen. Aber vor allem auch ein Generationenproblem. Meine Elterngeneration – das sind so dieses klassischen 68er – haben alle nicht die Imkerei ergriffen. Die machen alle Karriere. Das sind jetzt die, die noch im Berufsleben stehen oder kurz vor der Pension sind. Davor gab es unsere Großelterngeneration, die sind noch die Imkerinnen. Und jetzt gibt es die Jungen. Dazwischen gab es einfach keine Übergabe. Der Mangel ist riesig. Vor allem in der Peripherie gibt es kaum mehr Imker. Ich komme in Dörfer, östlich von Wien, wo einer der besten Trachtstationen gibt in ganz Österreich. Aber es gibt keinen Imker da. Die Älteren hören alle auf oder reduzieren. Keine mehr, die das wirklich in einem größeren Ausmaß betreiben.

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Ich würde mal sagen, es gibt zwei Sachen. Ich würde unterscheiden zwischen Stadt und Land. In der Stadt gibt es noch spezielle Bedürfnisse, die es auf dem Land meistens nicht gibt. Ich glaube, dass er so Grundpakete braucht. Also ein Grundpaket wäre beispielsweise: die Ausbildung, wo ich möglichst praxisnah den Umgang mit den Bienen lerne. Und dann eine Unterstützung mit Bienenvölkern. Das wäre natürlich spitze. Das zusammen ergibt für mich einen wirklich sinnvollen Einstieg in die Imkerei. Zur Stadt kommt noch eins dazu, da ist eine Platzthematik noch wichtig. Platz ist in der Stadt immer irre teuer und schwierig. Und da braucht es eigentlich sowas wie, eine Firma sagt: „Wir haben auch noch eine kleine Garage.“ Oder: „Wir haben da einen Unterstellplatz oder Platz oben auf der Terrasse. Du kriegst da deine paar Quadratmeter, wo du noch was einstellen kannst.“ Das wär top. So arbeite ich auch mit zwei, drei Firmen zusammen.

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

Die Ausbildung – inklusive Theorie und Praxis – sollte immer schon von Anfang an miteinander verknüpft sein. Man braucht die Theorie, man braucht die Praxis. Die Imkerei ist ein Handwerk. Und wenn ich die nicht als Handwerk begreife, und auch beigebracht bekomme, dann ist es eigentlich ein Zugang, der schnell zu Frustration führt. Dann steht man am Bienenvolk und das schaut anders aus als im YouTube-Video oder anders als im Handout. Und das bringt einem überhaupt nichts. Man muss mehrere Fälle gesehen haben und sie mit Leuten besprechen können. Dieser gemeinschaftliche Aspekt ist in der Imkerei extrem wichtig. Ob in einem Stammtisch oder Chatforum – Leute treten miteinander in Interaktion und können sich ein bisschen austauschen. Was ist dieses Jahr so? Wie läuft es bei euch? Wie läuft es anders? Es ist immer wichtig, dass man sich austauscht. Und das andere ist aber eigentlich auch, dass man direkt am Bienenstand zusieht. Es ist leider so, dass die ältere Generation sich selten über die Schulter schauen lassen will. Erfahrungen habe ich gesammelt, als ich an einem Tag 50 Völker bearbeitet habe. Nicht so wie bei meinen zwei Stöcken, bei denen ich 50 Mal den Decken in einem Jahr öffne. Verschiedene Völker in verschiedenen Stadien sehen, wie das alles funktioniert und läuft. Wissen gebe ich weiter über meine Imkerschule. Ich habe damals die ersten Völker verkauft. Das sind meine Babys gewesen. Dann gab ich sie her – oft an fremde Menschen. Und die haben mich natürlich gefragt, ob sie mich anrufen dürfen. Ja, selbstverständlich dürfen sie, weil ich will ja wissen, wie es ihnen geht. Aber dann haben sie so Fragen, wo ich greife mir auf den Kopf und denke: „Das gibt es ja nicht. Warum haben die Bienen? Warum haben die das nicht erzählt bekommen? Warum weiß der das nicht?“ Dann sag ich: „Schau, lies einmal das Buch.“ Dann sagt er: „Das habe ich eh schon gelesen.“ Warum klappt es dann nicht? Das Problem ist und war immer die Praxis. Den Leuten hat es gefehlt, dass sie das Wissen angewendet haben. Und die haben von Königinnenzucht geredet, wo sie zwei Völker gehabt haben. Die haben mir erzählt von irgendwelchen Zuchtausleseprogrammen, wo ich manchmal das Gefühl hatte, dass sie da noch lange nicht sind. Aber sie haben darüber gelesen und trotzdem von den Grundbegriffen keine Ahnung gehabt, weil sie es am Bienenvolk nicht ausprobiert haben oder ihnen die Routine fehlte. Da war für mich klar, dass ich es anders machen muss. Wenn ich Bienen verkaufe, will ich sie Leuten geben, die eine Ahnung von der Imkerei haben.

Was denkst du über Hektar Nektar?

Am Anfang, muss ich ganz ehrlich sagen, war ich dem total skeptisch. Weil ich das Gefühl gehabt habe, es geht um dieses Bienensterben. Mittlerweile bin ich aus folgendem Grund ganz okay damit: Es spricht sehr breit die Menschen an. Ich selbst habe einen bisschen anderen Zugang. Ich finde den Anspruch den ihr habt, dass ihr sowohl eine Handelsplattform fungieren wollt, die aber einer gewissen Ethik auch unterliegt, also sprich, kein Preisdumping und ähnliche Sachen, finde ich sehr toll. Es müssen die Leute davon gut leben können. Aber es geht auch wirklich darum, einen Markt zu etablieren, der auch wirklich funktioniert. Nachhaltig. Was er momentan nämlich überhaupt nicht ist. Wir sind einfach lauter Hobbyimker. Die unterbieten eigentlich sich selbst alle gegenseitig, weil es ein Hobby ist. Und niemand macht da Kostenkalkulation. Das ist für mich als einer, der davon leben will, eine Katastrophe. Am Honigmarkt ist es noch viel schlimmer als bei Bienenvölkern. Beim Honig ist das Katastrophe, dass nicht richtig kalkuliert wird. Ich würde mir im Allgemeinen wünschen, dass die Imkerschaft noch stärker zusammenwächst, was das Bienensterben nämlich gebracht hat. Dass man mit mehr Selbstbewusstsein auftritt, auch gegenüber der Politik. Also gegenüber dem Handel preistechnisch, damit der Wert des Honig wieder bessert. Speziell von Hektar Nektar: Die Standplatzbörse wäre sicher nicht schlecht. Ich fände aber auch gut, wenn Firmen Bienenvölker und JungimkerInnen finanziell unterstützen. Vielleicht wollen sie auch die Imker soweit unterstützen und sagen: „Wir nehmen euch die ersten zwei, drei Jahre euren Honig ab.“ Das sind Unterstützungen, die halt auch nachhaltig wirken. Für die Belegschaft oder Kunden ist das ein tolles Geschenk, weil – der „eigene“ Honig etwas total Wertvolles ist. Ich kenne eine Firma, bei der viele Muslime arbeiten. Hier kommt das super an, weil es nicht gegen Essengebote verstößt. Honig kommt in allen Kulturen gleich gut an. Außerdem fände ich es toll, wenn ihr irgendwas mit Kursen anbieten würdet. Extrem interessant, wenn alles ein bisschen besser vernetzt wäre. Auch einen Eventkalender, der Länder übergreifend ist. Ich weiß sehr wenig von deutschen Imkern.

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