Ursula Pabst

Ursula Pabst, 38 imkert seit

In 2,3 Sätzen: Was fasziniert dich an der Biene?

Mich fasziniert an Bienen, dass sie extrem soziale Wesen sind, wahnsinnig gut organisiert, sensibel und gescheit.

Über mich

Stell dich doch kurz vor: Wie bist du zur Imkerei gekommen?

Auf dem Bild sieht man meine Schwester und mich bei unseren ersten Imkertätigkeiten in den 80er-Jahren. Nach meinem Opa übernahm meine Mama gemeinsam mit meinem Papa einige Bienenstöcke, so so zwischen 5 und 8 Stöcken. Und das obwohl meine Mama eine Bienenallergie hat. Wenn ich in Wien einen Platz auf einem Vereinsbienenstand bekomme möchte ich auch in der Stadt imkern und hole mir einige Bienenstöcke hierher ;)

Wieso imkerst du?

Schon als kleines Kind hab ich meinem Opa zugeschaut, als er im Bienenhaus gearbeitet hat. Königinnensuchen war meine liebste Beschäftigung. Und Honig naschen. Und Propolistinktur auf Würfelzucker. Mich hat bestimmt die ein oder andere Biene gestochen, doch ich hab das nicht in negativer Erinnerung - vielmehr tat es mir für jede Biene leid, dass sie sterben musste. Die Imkerei vereint auf tolle Weise das Arbeiten in der Natur und mit Tieren. Ein Bienenvolk ist für mich ein gesamtes Ökosystem.

Schule, Pate oder Selbststudium – wie hast du das Imkern erlernt?

Ich lerne gerade in der Imkerschule Wien. Die Vorträge sind fachlich recht ausführlich - trotzdem freue ich mich viel mehr auf die praktischen Aspekte der Imkerei im Frühjahr. Die Basics habe ich ja bereits bei meinem Opa und meinem Papa sowie meiner Mama mitgekriegt. Dennoch ist mir bewusst, dass vieles zum Imkern gehört, vor allem Zeit dafür und das Sammeln von Erfahrungen. Mir gefällt das niederschwellige Miteinander der Imker hier in Wien. Man ist sofort per Du, jeder hilft jedem, die Vereine bieten viel Unterstützung, auch für Junge. Ich freue mich darauf, bei einem Vereinsbienenstand mitmachen zu dürfen, zu lernen und eventuell mal meine eigenen Bienen dort aufstellen zu dürfen.

Welche ist die größte Herausforderung für ImkerInnen?

Herausforderungen gibt es auf mehreren Ebenen. Landwirtschaft: Spritzmittel, Chemie, Monokulturen Umwelt: Sturm (siehe Foto, doch auch das ließ sich wieder richten), Klimawandel, Trockenheit, Umweltgifte Imkerei: Es gibt keine Pauschallösungen. Man muss Erfahrungen sammeln und diese gebündelt einsetzen um im jeweiligen Moment richtig entscheiden zu können.

Was lernen ImkerInnen genau?

Zuerst die Theorie im Imkerkurs - da bin ich mittendrin. Da ist viel wichtiges dabei, aber auch vieles was man erst dann in der Praxis durch das Bienenjahr hindurch wird einordnen können. Inhalte: Beutenbau, das Bienenvolk, die Imker-Arbeiten in einem Bienenjahr, Bienengesundheit, Varroa-Behandlung, Bio-Imkerei Dann kommt die Praxis - das kommt für mich noch im Frühjahr 2019 ;) Und dann lernt man noch unheimlich viel von den Bienen - auf das freu ich mich!

Wie hat sich deine Sicht auf die Natur geändert seit du ImkerIn bist?

Gar nicht. Ich bin am Land aufgewachsen, bin gern in der Natur, gärtnere gern, das aber auch in der Stadt. Für mich schließen sich Stadtleben und Imkern nicht aus. Auch wenn ich die Bienen vermutlich zu Beginn noch am Land haben werde, beschäftigt mich die Frage nach einem passenden Standort in der Stadt sehr wohl.

Wie nutzt du Vereine und wie ist der Zusammenhalt?

Ich werde im kommenden Jahr einem Imkerverein bei mir in der Nähe beitreten. Bisher wurde im Imkerkurs sehr schön vermittelt, dass nicht die Wahl des Vereins wichtig ist, sondern dass man überall aktiv mitmachen kann, egal wo man Mitglied ist. Ich hoffe dass es tatsächlich ein so tolles Miteinander ist und freue mich auf viele tolle Erfahrungen.

Was kostet der Start in die Imkerei und was der laufende Betrieb?

Meine Kosten belaufen sich erstmal auf die Kosten für den Imkerkurs. In Wien sind das 275 Euro. Vor allem braucht es aber Zeit. Der Start mit Bienenvölkern, Beuten und Equipment wird mir verhältnismäßig leicht gemacht, da ich in absehbarer Zeit die Bienenvölker meiner Mama übernehmen darf. Ich rechne ehrlich gesagt aber auch gar nicht zusammen, was der Start kostet, da jedes Hobby Geld kostet.

Kannst bzw. möchtest du von der Imkerei leben?

Ich möchte dass sich das Hobby der Imkerei irgendwann querfinanziert. Der Verkauf von Honig in kleinem Ausmaß sollte die Investitionen und den Zeitaufwand ausgleichen. Ich möchte damit nicht reich werden, und auch nicht auf Kosten der Bienen Profit erwirtschaften. Ich liebe Honig, und nutze ihn gern selbst oder verschenke ihn an Freunde, anstatt ein großes Business daraus zu machen.

Es gibt die Sorge, dass die Honigbienen Wildbienen vertreiben. Wie siehst du das?

Ich denke, dass es wie in der Landwirtschaft auch um Qualität vor Quantität geht. Bei Massen-Bienenhaltung ist die Sorge eventuell begründet. Ich denke aber, dass Hobby-Imker im wesentlichen naturnahe Menschen sind, die die Umwelt schützen, das Miteinander von Landwirtschaft und Bienenzucht fördern und ebenso der Wildbiene nichts schlechtes wollen. Gerade der Einsatz gegen schädliche Spritzmittel schützt nicht nur die Honigbiene, sondern auch den Wildbienen.

Ältere ImkerInnen sollen angeblich ungern ihr Wissen teilen. Was denkst du darüber?

Wie in vielen Bereichen ist auch in der Imkerei (zumindest in Österreich, aber sicherlich durch die EU auch anderswo) vieles an Bürokratie dazu gekommen. Es gibt Meldepflichten, Fristen die eingehalten werden müssen, Verbote und Gebote - und das hat auch alles (vermutlich) seinen Sinn. Ältere Imker, die es anders kennen, fühlen sich dadurch aber mitunter kontrolliert, und finden es beschämend, wenn ein Volk stirbt. Hier muss ein Umdenken stattfinden, dass Krankheiten ja nicht nur ein Volk betreffen, sondern durch die Bienen immer verschleppt werden können. Nur durch ehrliche Dokumentation kann hier seuchenhafte Verbreitung gestoppt werden. Stolz ist hier ein falscher Beweggrund, die Statistiken zu schönen.

Sind Bienen das anstrengendste oder betreuungsintensivste Haustier?

Ich stimme dem nicht völlig zu. Wie bei jedem Haustier gehört es dazu, dass man sich mit ihm beschäftigt. Bienen versorgen sich ja glücklicherweise zu einem großen Anteil selbst. Und welches Haustier kann man schon mal 1 Woche, oder sogar 2 oder im Winter noch länger sich selbst überlassen? Dennoch gehört es zum Imkerleben dazu, sich mit Wetter, Jahreszeiten und einer Jahresplanung auseinanderzusetzen. Das braucht man bei einem Hamster vermutlich nicht (ich hatte nie einen Hamster, vielleicht liege ich da auch falsch).

Die Anzahl der ImkerInnen steigt. Die Anzahl der Bienenvölker nicht. Was ist deiner Meinung nach der Grund?

Wahrscheinlich steigen immer mehr Hobby-Imker ein, die mit einer Bienenkiste oder 3-4 Völkern imkern. Hier steht auch nicht der Honigertrag im Vordergrund, sondern die Lust an der Arbeit, das Arbeiten mit Bienenvölkern, die naturnahe Beschäftigung etc. Auch ich sehe nicht allein den Profit durch Honigverkauf als Grund zu Imkern. Klar möchte ich mal meinen eigenen Honig ernten, aber alles mit Maß und Ziel.

Was unterscheidet die neue Imkergeneration von der alten?

Weg von Fokus Ertrag - Hin zu Fokus gemeinsames naturnahes Bewirtschaften. Da wird untereinander geholfen, jedem ist bewusst, dass die Gesundheit der eigenen Bienen auch von der Gesundheit der Nachbarbienen abhängt. Durch die neuen Medien vernetzen sich junge Imker - und auch Plattformen wie Hektar Nektar tragen dazu bei.

Wie viel sollte ein Kilo Honig deiner Meinung nach kosten?

Ich finde, Honig sollte wertgeschätzt werden. Ein Imker soll soviel verlangen dürfen, dass seine Arbeit, seine Aufwendungen und sein Marketing damit gedeckt sind. Ein Preis von unter 15 Euro pro Kilo finde ich fast schon etwas wenig wenn man den Aufwand betrachtet. Guter Honig sollte dem Konsumenten auch etwas Wert sein. Dazu gehört dann auch ein hübsches Verpackungsdesign und vielleicht das kleine bisschen Extra, etwa Kreationen mit anderen Ingredienzien.

Gibt es ein Bienensterben oder nicht? Begründe bitte deine Meinung.

Durch den Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft, durch Abgase, Gifte in der Luft, Abwässer etc. haben es Insekten bestimmt nicht leicht. Wildbienen sicher noch schwerer, als die in halbwegs geschützten Bereichen "wohnenden" Honigbienen. Ich habe keine Meinung zu diesem Thema, hoffe aber, dass es die Bienen schaffen, ihren Platz auf dieser Welt zu behalten.

Ist der/die ImkerIn der größte Feind der Bienen?

So ein Imker möchte ich nicht sein. Wer mehrere Völker hat, muss sicherlich manchmal ungute Entscheidungen treffen, um zu Wohl aller Völker zu entscheiden. Gesundheit für alle Bienen am eigenen Stand und beim Nachbarn ist oberste Prämisse. Wer nur profitorientiert arbeitet, wird auch nicht die vielen Vorteile des Imkerns spüren.

Frage 3 ImkerInnen, bekomme 4 Antworten. Wieso ist das so in der Imkerei?

Das ist nicht nur in der Imkerei so. Überall wo viele Menschen unterschiedliche Erfahrungen machen, glauben sie jeweils, mit ihrer Meinung Recht zu haben. Letztlich gibt es wohl immer verschiedene Meinungen, die alle einen wahren Kern haben und die immer in Bezug zum eigenen Volk am eigenen Standplatz auch richtig sind. Hier muss man als junger Imker lernen, dass es keine Pauschallösungen zu bestimmten Themen geben kann, sondern man wohl selbst die 100.001ste Meinung kreieren muss ;)

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Landwirtschaftlich: bunte Vielfalt an Nutzpflanzen und Blühpflanzen, nachhaltig überlegter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bzw. am besten Vermeidung von Chemie, Kommunikation zwischen Imkern und Landwirten um bei notwendigen Maßnahmen reagieren zu können Privat: Vermeiden unnötiger Chemie im Garten, bunte blühende Gärten pflegen statt Betonplatten und getrimmten Rasen

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

1) einen Imkerkurs machen 2) bei einem erfahrenen Imker zuschauen und mithelfen 3) wie bei einem Haustier genau überlegen ob das in die Lebensplanung passt, sich um Bienenvölker zu kümmern 4) den Film "Ein Bienenjahr - ein Imkerjahr" anschauen 5) einen Bienen-Buddy suchen, mit dem man gemeinsam lernt, übt und Kurse besucht, der einen unterstützt, wenn man mal auf Urlaub ist und etwas gemacht gehört

Was denkst du über Hektar Nektar?

Ich finde jede Initiative gut, die sich um Umwelt und Natur kümmert. Der langfristige Ansatz, die Honigbiene zu fördern, fördert letztlich den Menschen. Und zwar alle Menschen, nicht nur den Imker. Eine Umwelt, die ein lebenswerter Lebensraum für alle ist, soll auch alle gesund halten können, Mensch und Tier.

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