cyril venzin

cyril venzin, 33 aus 8048 Zürich, Schweiz
imkert seit 1998

Über mich

Stell dich doch kurz vor!

Immer schon hatte mein Vater Bienen und ich ging ihm schon früh zur Hand. Bin also quasi mit Bienenaufgewachsen. Die Faszination ist ungebrochen!

Welche ist die größte Herausforderung für ImkerInnen?

Heutzutage besteht die grösste Herausforderung für ImkerInnen und insbesondere für Züchter in der Hervorbringung und Verbreitung Varroa-resistenter und/oder Varroatoleranter Bienenpopulationen. Gesunde, gut angepasste Bienenvölker, die wir in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft, nicht mehr gegen die Varroa behandeln müssen - dies sollte eine Priorität für ImkerInnen darstellen. Darin inbegriffen sollten wir auch für eine Insekten- und überhaupt tierfreundliche und nachhaltige Landwirtschaft kämpfen.

Was lernen ImkerInnen genau?

Sie lernen die Biene als ein ungezähmtes Nutztier kennen. Ihre Natur- und Kulturgeschichte, Biologie, Ökologie, Organisation, Kommunikation, Produktion usf. Sie lernen sich auf dem Beuten- und Meinungsmarkt zurecht zu finden. Sie lernen über die Biene, die anderen Insekten, Vögel und Tiere zu schätzen, die Blumen, Sträucher und Bäume zu lieben und ihr Zusammenspiel im Wald zu verstehen.

Wie hat sich deine Sicht auf die Natur geändert seit du ImkerIn bist?

Im Grunde bin ich immer noch erstaunt und beflügelt beim Gedanken an die Natur wie beim ersten ohnmächtig-überwältigenden Blick in einen Bienenstock.

Wie nutzt du Vereine und wie ist der Zusammenhalt?

Nur mit Kooperation und der Organisation in Vereinen und Verbänden wird es möglich sein langfristig das den ImkerInnen gemeinsame Interesse an gesunden widerstandsfähigen Bienen, angemessen in der Politik zu vertreten.

Was kostet der Start in die Imkerei und was der laufende Betrieb?

Bienen: Kunstschwarm 150Euro Beute: Dadant Magazin 130Euro (mit Rähmchen und Honigräumen) Schleier, Werkzeug 130Euro Total: 410Euro

Kannst bzw. möchtest du von der Imkerei leben?

Ich kann dies im Moment noch nicht, bin aber dabei meine Imkerei so zu vergrössern, dass ich davon leben kann. Ich rechne da mit 250-300 Völker.

Es gibt die Sorge, dass die Honigbienen Wildbienen vertreiben. Wie siehst du das?

Eine unberechtigte Sorge. Alle Bienenarten gehören aus evolutionärer Sicht zur Überfamilie der Apoidea und haben also schon eine sehr lange Geschichte hinter sich, d.h. sie haben gelernt aneinander vorbei oder miteinander aus zu kommen. Im Gegensatz zur westlichen Honigbiene, deren Population ohne menschliche Pflege dramatisch reduziert werden würde (Varroa), überleben die Wildbienen ohne Abhängigkeit zum Menschen. Es sind also nicht die Wildbienen, die von der Honigbiene bedroht werden. Durch die Globalisierung sind wir Heute so weit, als dass wir die Honigbiene in eine menschliche Abhängigkeit getrieben haben und durch unser unverantwortungsloses (land)wirtschaftliches Handeln bis 50% der Wildbienenarten in ihrer Existenz bedrohen.

Ältere ImkerInnen sollen angeblich ungern ihr Wissen teilen. Was denkst du darüber?

Schwachsinn! Fragen Sie selbst!

Sind Bienen das anstrengendste oder betreuungsintensivste Haustier?

Bienen sind keine Haustiere. Bienen sind ungezähmte Nutztiere. Bienen, wie jedes Tier, das wir in unsere Obhut nehmen, brauchen Pflege. Die Pflegemassnahmen werden in Zeiten hoher Bienendichte und Bienenaustauschs umso intensiver, da wir die Bienen nicht mehr einfach sich selbst überlassen können - ohne Gefahr laufen zu wollen, dass ein Seuchenherd (Faul-/Sauerbrut usf.) entsteht. Für mich gehört es zur guten imkerlichen Praxis dazu, zu wissen was in und um die Völker passiert. Darum empfehle ich einen wöchentlichen Standbesuch, mit Fluglochkontrolle und geg. dem Öffnen von Völker.

Die Anzahl der ImkerInnen steigt. Die Anzahl der Bienenvölker nicht. Was ist deiner Meinung nach der Grund?

Viele alte ImkerInnen mit vielen Völker hören auf und noch mehr junge ImkerInnen fangen mit Wenigen an.

Was unterscheidet die neue Imkergeneration von der alten?

Vernetzung, Austauschsmöglichkeiten, gemeinsamer Feind und geteiltes Leid (Varroa, Pestizide usf.)

Wie viel sollte ein Kilo Honig deiner Meinung nach kosten?

28-30CHF oder 25-27Euro

Gibt es ein Bienensterben oder nicht? Begründe bitte deine Meinung.

Was allgemein als Bienensterben in den Medien verbreitet wird, bezieht sich innerhalb akademischer Forschung - und diese sollte man anführen, will man die genannte Frage beantworten - auf die sogenannte "Colony Collapse Disorder", die 2006 erstmals beschrieben wurde. Es handelt sich um das grossflächige Sterben von Bienenvölker und fast ganzer Populationen. Für mehr Infos zum Bienensterben allgemein vgl. Wikipedia. Als Ursachen werden oftmals - unter anderen Gründen - auch der intensive Einsatz von Pestiziden genannt. Der vermehrte Einsatz von Giften in der Landwirtschaft sollte stärker kontrolliert und vor allem auf lange Sicht reduziert werden. Wir brauchen eine andere Art von Landwirtschaft, wollen wir eine Artenreiche und damit reichere Zukunft!

Ist der/die ImkerIn der größte Feind der Bienen?

Nicht per se, jedoch kann er - meist verleitet durch seine Neugier - zu einem Feind werden.

Frage 3 ImkerInnen, bekomme 4 Antworten. Wieso ist das so in der Imkerei?

Weil Imker zu Allem eine Meinung haben müssen, wenn Sie schon die Namen all ihrer Tiere nicht kennen.

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Pestizidfreie, nachhaltige Landwirtschaft Pestizidfreies, nachhaltiges Bauen Schaffung von Biodiversitätsflächen, Erhaltung und Vergrösserung von wichtigen Ökosystemen Investitionen in Insektenforschung, Lehre und Vermittlung Internationale Anerkennung der Biene als eines der wichtigsten Tiere: Vernetzung von Wissen und Praxis, gemeinsame Schutzprojekte

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

Habe Mut deine Meinung zu beerdigen und neues aus zu probieren. Sprich mit anderen ImkerInnen, melde dich beim Verein. Führe ein Bienentagebuch, wo du Merkwürdigkeiten und besondere Beobachtungen festhältst. Pflanze Bäume. Geh abstimmen, falls du darfst oder kannst.

Was denkst du über Hektar Nektar?

Sieht vielversprechend aus! Ich hoffe eine grosse Gemeinschaft findet sich hier! Tolles Projekt, Danke!

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