Nicolas Fedrigotti

Nicolas Fedrigotti, 38 imkert seit 2013

In 2,3 Sätzen: Was fasziniert dich an der Biene?

Bienen wissen wie's geht. einfach so. und das schon immer - faszinierend oder ;)

Über mich

Stell dich doch kurz vor!

wie viele andere "Jungimker" vermutlich auch, bin ich über den Film "More than Honey" auf die Bienen bzw. insbesondere die Imkerei gekommen. So gibt es bei mir seit ein paar Jahren (in kleinen Mengen): Reiner österreichischer Bienenhonig von den Blumenwiesen vor Wien!

Wieso imkerst du?

Das spannendste für mich ist das geniale Zusammenspiel der Bienen untereinander, wie der Stock, das Volk, "der Bien", die vielen Individuen miteinander und der Umgebung kommunizieren, perfekt funktionieren und harmonieren. Das ein Stück weit als Aussenstehender miterleben zu können ist ein tolles Geschenk!

Schule, Pate oder Selbststudium – wie hast du das Imkern erlernt?

Begonnen habe ich in einem Imkeranfängerkurs (Imker-Neueinsteiger), dann besuchte ich teilweise den Imkerfacharbeiterkurs in Warth (Niderösterreich) und habe schlussendlich in der gemeinsamen Arbeit mit meinem "Bienenvater" die grundlegende Praxis erlernt.

Welche ist die größte Herausforderung für ImkerInnen?

Für mich ist es der "richtige" Umgang mit den Bienen, ihnen eine entsprechende und artgerechte Umgebung zu bieten, ihr Verhalten und Bedürfnisse (annähernd) verstehen lernen. Die Balance zu finden zwischen unterstützen und eigenständig das tun lassen was diese kleinen Wunderwesen schon immer gemacht haben und somit perfekt beherrschen!

Was lernen ImkerInnen genau?

Ich habe die theoretischen und praktischen Grundlagen im Umgang mit Bienen gelernt. und vor allem das Bewusstsein, nie "ausgelernt" zu haben sowie dass es sehr viele verschiedene Herangehensweisen an die Imkerei gibt! außerdem konnte ich lernen, dass ich nicht der einzige Interessierte Ahnungslose in meiner Umgebung bin ... Anfangs habe ich nur durch das Lesen von Büchern, dann in den Jahren 2012 und 2013 durch die Teilnahme an Kursen (Imkerneueinsteiger, Teile des Imkerfacharbeiters in an Imkerschulen in Niederösterreich), sowie Teilnahme an einzelnen Veranstaltungen im hiesigen Imkerverein. Vor allem aber durch die Hilfe und Unterstützung meines "Bienenvaters" in der Praxis!

Wie hat sich deine Sicht auf die Natur geändert seit du ImkerIn bist?

Durch mein Vorinteresse bzw. auch meine Ausbildung zum Kräutermeister (Weinviertler Kräuterakademie) und natürlich meine Liebe zu Honig und Wachsprodukten, war mir schon lange prinzipiell der hohe Stellenwert der Natur, der Pflanzen und Tiere / Insekten gegeben. Ausschlaggebend war wohl wie für viele andere "Jungimker" schlussendlich der Film "More Than Honey" der mir aufgezeigt hat, dass ich eventuell durch das Arbeiten mit Bienen einen kleinen Beitrag zum großen Ganzen leisten kann.

Wie nutzt du Vereine und wie ist der Zusammenhalt?

Derzeit bin ich aufgrund eines Wohnortwechsels nicht nur ohne eigene Bienenvölker sondern auch in keinem Verein (mehr). Für mich war es bisher in erster Linie eine gute Gelegenheit das "Imkervolk" als solches kennen zu lernen, von den Geschichten und Erfahrungen der "Alten" zu lernen, aber natürlich auch zu netzwerken. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass der Zusammenhalt innerhalb aber auch vor allem unter den verschiedenen Vereinsgruppen leider oft nicht wie gewünscht gegeben ist.

Was kostet der Start in die Imkerei und was der laufende Betrieb?

Ich habe nun nicht alle Rechnungen aufgehoben, aber ich glaube ich bin so mit einer Größenordnung von EU 500,- bei zwei Völkern inkl. Zubehör gestartet. Im laufenden Betrieb (ich hab keine eigene Schleuder etc.) fand ich die Kosten mäßig bzw. überschaubar, ich habe allerdings auch nie mehr als 2 Völker gehabt. Hätte ich mir nicht auch ein eigenes Logo, Firmenname und Etiketten eingebildet, wär's wohl noch günstiger gegangen, aber so denke ich habe ich dann in etwa nochmal so viel für meine beiden "aktiven Jahre" benötigt. Ich hatte einen Versuch in der Vermehrung von Bienen gemeinsam mit meinem Bienenvater gestartet, der auch erfolgreich war. Alleine würde ich das allerdings (noch) nicht machen, ich denke da fehlt mir noch die nötige Erfahrung. Außerdem - ich bin mir da aber noch nicht so ganz sicher - würde ich das gerne die Bienen selbständig erledigen lassen, und ihnen das Schwärmen als natürliche Art der Vermehrung / Verjüngng "erlauben".

Kannst bzw. möchtest du von der Imkerei leben?

Ich kann nicht von der Imkerei leben und habe dies aktuell auch nicht vor. Einerseits graut mir ein wenig von der "existenziellen Herausforderung", vor allem auch den mit hohen Kosten verbunden Anfangsinvestitionen dazu. Soweit ich das erlebt habe, benötigt man wohl schon 60 oder mehr Völker um tatsächlich davon leben zu können. Des Weiteren fehlt mir dazu auch einfach die Erfahrung. Vor allem aber (!) fürchte ich bei einer gewerblichen Imkerei den Blick für das Wesentliche, die Grundidee warum ich mich für Bienen interessiere sowie die Unbeschwertheit in der Arbeit mit den Tieren zu verlieren !!!

Es gibt die Sorge, dass die Honigbienen Wildbienen vertreiben. Wie siehst du das?

Ich habe auch schon viel davon gehört, sowie mir meine Gedanken dazu gemacht und bin mir noch nicht so recht sicher. Einerseits leuchtet es irgenwie ein, andererseits sehe ich in meiner direkten Umgebung immer wieder viele Wildbienenarten. Letztendlich glaube ich, dazu einfach zu wenig Fachwissen zu haben um hier eine qualifizierte Meinung abgeben zu können (ich fürchte im Übrigen dass dies auch auf sehr viele andere zutrifft, die aber gerne Ihre Meinung dazu kundtun ;;)

Ältere ImkerInnen sollen angeblich ungern ihr Wissen teilen. Was denkst du darüber?

Eigentlich würde ich hier einfach nur "Ja, stimmt" schreiben, ich soll aber die 300 Zeichen erfüllen. Also sage ich detaillierter, dass ich diese Erfahrung in meiner doch relativ kurzen bisherigen Imkerkarriere leider auch gemacht habe. Wobei dieses "dem-anderen-nichts-gönnen" und auch die entsprechende üble Nachrede auf der einen Seite sowie das Geheimhalten von Wissen, Erfahrung aber vor allem auch "Niederlagen" anscheinend durchaus Usus ist. Ich hoffe das ändert sich im Laufe der nächsten Jahre.

Sind Bienen das anstrengendste oder betreuungsintensivste Haustier?

Biene und Schaf ernähren den Herren im Schlaf -- so heisst es doch eigentlich? So sehe ich es allerdings nicht (zu den Schafen kann ich selbst noch nichts sagen), ich hatte schon das Gefühl einiges an Tätigkeiten erledigen zu müssen. Einiges davon wäre mit mehr Erfahrung sicher einfacher, schneller rationaler zu erledigen gewesen. Aber grundsätzlich bin ich schon der Meinung dass Bienenhaltung nicht zuletzt emotional eine gewisse Verantwortung und damit auch "Anstrengung" mit sich bringt. Das ist allerdings auch mit eines der schönen Aspekte dabei.

Die Anzahl der ImkerInnen steigt. Die Anzahl der Bienenvölker nicht. Was ist deiner Meinung nach der Grund?

Der Grund ist wohl unter anderem der Anstieg der Jungimker - so wie ich einer bin. Die nehmen sich nur 1 bis 3 Völker (je nachdem ob sie auf eine entsprechende Förderung abzielen, oder ob ihnen erstmal nur zu einem Volk geraten wird, so wie es bei mir der Fall war). Für mehr Völker benötigt man nicht zuletzt auch mehr Platz / Grundfläche. Stadtimkerei liegt ja soweit ich weiß auch im Trend, und auf einen Balkon, eine Terrasse oder in einen Kleingarten passen nun mal nicht so viele Völker.

Was unterscheidet die neue Imkergeneration von der alten?

Die jungen Imker sind vermutlich weniger engstirnig und eigenbrödlerisch als die alten (leider bestätigt sich dieses Vorurteil doch sehr oft). Der Hauptunterschied ist aber vielleicht die Herangehensweise an die Produkte. also ein wenig weg vom "verstaubten" Image der ewig gleichen Etiketten, Christbaumanhänger aus Wachs usw. hin zu neuen Produkten und Ideen.

Wie viel sollte ein Kilo Honig deiner Meinung nach kosten?

Ich denke das aktuell ein Richtwert von mindesten EUR 10,- / Kilo auf jeden Fall das Mindestmaß sein sollte. Ich habe witzigerweise schon beides erlebt, also Menschen die sich wundern, dass mein Honig so günstig ist (meist Städter), andere die meinen dass es schon überteuert wäre. Eine Aufklärung und der Vergleich mit Diskonter-Misch-Honig aus EG-und nicht-EG-Ländern und dessen Kilopreis von teilweise 13,- (von den Bio-Honigen, Demeter, in Reformhäusern etc. gar nicht zu reden) hilft hier meistens ganz gut. Also eigentlich sollten es doch eher 13,- / Kilo sein ... mal sehen wann ich wieder Honig habe und was ich mich dann "traue" zu verlangen.

Gibt es ein Bienensterben oder nicht? Begründe bitte deine Meinung.

Ich weiß es nicht. Ich bin generell kein großer Freund von Statistiken und deren Beweiskraft. Was das betrifft halte ich es einfach so, dass ich versuche - ob nun aktiv als Imker oder passiv als "Normalbürger" - grundsätzlich mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen, versuche die Natur und ihre Zusammenhänge einigermaßen zu verstehen, vor allem aber wertzuschätzen und entsprechend zu handeln.

Ist der/die ImkerIn der größte Feind der Bienen?

o ja. ich fürchte das stimmt zum Teil (siehe vorige Frage). Ich hatte doch schon öfter das Gefühl dass der eben erfolgte Eingriff in das Volk - von mir oder auch bei anderen Imkern - die aktuelle Situation der Bienen nicht gerade verbessert hat, und die kleinen Tierchen eher mehr damit zu tun hatten, den Schaden wieder gut zu machen. Ich glaube auch, dass die Bienen uns nicht unbedingt brauchen ... die waren vor uns da und werden wohl auch nach uns noch immer da sein ;)

Frage 3 ImkerInnen, bekomme 4 Antworten. Wieso ist das so in der Imkerei?

Das ist meiner Meinung nach nicht nur in der Imkerei so. Aber es liegt vielleicht daran, dass die Meinung die man selbst vertritt einfach auch schon lange erarbeitet und praktiziert wurde. Davon dann abzulassen und vielleicht sogar noch erkennen zu müssen, dass man etwas lange falsch gemacht hat ... ist nicht so einfach

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Es gibt ja mittlerweile einige schöne und gute Beispiele in der Stadplanung, wie z,B. "essbare Gemeinden", anlegen von Grünflächen und "Insekten-Oasen". Förderungen von Jungimkern etc. Wichtig ist hier für Gemeinden sowie auch Privatpersonen, vor Verwirklichung einer scheinbar guten Sache, auf jeden Fall auch die Richtigkeit und Sinnhaftigkeit der geplanten Maßnahme zu überprüfen (soweit das möglich ist). Man sagt ja auch, "gut gemeint ist das Gegenteil von gut" -> beispielsweise werden Pflanzen gesetzt, die zwar schön grün oder auch bunt aussehen, aber für Insekten quasi Wüste darstellen. Vermeidung von Spritzmitteln und Giften sollte hinlänglich bekannt und hoffentlich bald auch (zumindest im Privatgebrauch) selbstverständlich sein. Noch wichtiger und immer noch nötig scheint mir - aus eigener Erfahrung - zu sein, uninformierte Personen einfach auch aufzuklären. Eine herannahende Biene ist eben nicht einfach ein böses Tier das nur darauf aus ist uns zu stechen und unsere Kinder zu terrorisieren. Schon öfter habe ich unsere kleinen Freunde von einem unmotivierten Erschlagen gerettet und den menschlichen Angreifer entsprechend versucht aufzuklären ... ;)

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

Ich habe mal in einem Buch folgenden Merksatz gelesen: "Vorsicht vor Ratschlägen aus Büchern und Magazinen" ;) Aber im Grunde finde ich ist es ein guter Einsteig, erstmal ein (einfaches) Buch dazu zu lesen. Kinderbücher sind da eigtl. auch für uns Erwachsene meiner Meinung nach gar nicht so schlecht für einen schellen und easy Einstieg. Wenn man sich allerdings dazu entscheidet, tatsächlich eigene Bienen haben zu wollen, glaube ich ist der gemeinsame Beginn mit einer erfahrenen Person oder zumindest einen "Mitstreiter" - also ein anderer Neuling - ideal. Im Austausch mit anderen Imkern, Teilnahme an Kursen und Info-Veranstaltungen, Messen usw. lernen die jungen Imker die Praxis. Nutzen der Vereinsangebote - z.B. Bienen am Vereinsstand unterzustellen, Bienen-Patenschaften (also erstmal nur mitgehen, zusehen, ...), sich trauen zu fragen, bei erfahrenen Imkern, Lesen von Fachmagazinen usw. Ich habe von Anfang an versucht all mein Wissen - oder Anfangs eher meine Vermutungen, Fragen und Versuche - immer im Austausch mit anderen abzuwiegen. Wenn ich das Gefühl habe etwas "richtiges" herausgefunden zu haben, dann gebe ich das gerne auch weiter. Oder wenn ich merke dass jemand ein Problem hat, welches ich schon vorher erfolgreich lösen konnte, sehe ich keinen Grund hier nicht zu helfen.

Was denkst du über Hektar Nektar?

Ich bin schon länger aufmerksam auf dieses Projekt und finde es super. nun auch die Ausprägung "Projekt 2028" ist eine tolle Sache. Ich hab es glaub ich ein wenig spät gecheckt, wie es klappt, hier auch die Chance auf ein neues Bienenvolk samt Behausung zu bekommen. Die Austauschmöglichkeiten finde ich gut - werde mich wohl aber selbst dran halten müssen, hier auch aktiv zu sein. bin da eher oft mehr "Leser" als aktiv Beitragender ... mal sehen ob ich mich bessern kann ;) Also in erster Linie hoffe ich ehrlich gesagt sehr, hier mit einem Bienenvolk "beschenkt" zu werden. Aufgrund eines Umzugs und einem kurz davor für mich heftigen Rückschlages in der Imkerei (meine beiden Völker wurden kurz bevor ich sie mit mir umsiedeln wollte vollständig ausgeraubt) wäre das nun für mich ein mehr als willkommener Grund mit diesem mir lieb gewordenen Hobby weiter zu machen. Ausserdem mögen meine 2 Mädels (3 und 7 Jahre) ausschließlich den eigenen Honig, und der Vorrat geht zur Neige ... ;)

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