Dr. Matthias Kopetzky

Dr. Matthias Kopetzky, 55 aus 1050 Wien, Austria
imkert seit 2011

In 2,3 Sätzen: Was fasziniert dich an der Biene?

Zwei Dinge sind wichtig für nachhaltigen Bienenschutz: ein Aufstellungsplatz und engagierte Imker, die sich längerfristig um die Bienen kümmern.

Über mich

Stell dich doch kurz vor!

Ich habe schon als Kind mitgeholfen. Später habe ich dann bei dem Vater meiner Schwägerin mitgemacht. Als er aufhörte mit der Imkerei vor einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen, war ich gerade auf der Suche nach einem Weg, mich in der Landwirtschaft zu betätigen. Im Gespräch mit meiner Schwägerin sind wir auf die Idee gekommen, mit dem Zubehör von ihrem Vater die Imkerei wieder aufzunehmen. Bevor es weggeschmissen wird. Die Entscheidung fiel sehr kurzfristig damals im Herbst. Wir haben dann einen Einsteigerkurs gemacht und im Frühjahr mit zwei Ständen begonnen.

Wieso imkerst du?

Die Wiener Bezirksimkerei betreut heute rund 200 Völker in Wien auf den Dächern der Stadt. Es ist hochinteressant, wie unterschiedlich der Honig schmeckt, obwohl wir eigentlich immer einen Mischhonig, unter Anführungszeichen reinen Blütenhonig, in Wien gemacht haben. Kein Sortenhonig. Und trotzdem schmeckt er überraschend anders, je nachdem wo der Stand ist. Das hat dann zur Idee geführt, je einen Honig aus den 23 Bezirken der Stadt herzustellen. Wir sind in allen Bezirken Wiens präsent mit mindestens einem Stand. Der normale Stand hat bei uns fünf Bienenvölker. Der Betreuungsaufwand ist sehr groß, weil die Wege zwischen den Ständen teilweise sehr lang sind.

Schule, Pate oder Selbststudium – wie hast du das Imkern erlernt?

Ich habe damals 2011 im Herbst einen Kurs in Wien gemacht und dann im Frühjahr begonnen. Praxis ist das A und O. Manche Menschen glauben, dass eine Internetausbildung reicht. Wobei man schon sagen muss: Es gibt sehr gute Sachen im Internet. Aber das ersetzt halt nicht die praktische Ausbildung. Das fehlt vielen. Wodurch sich viele dann auch überfordert fühlen. In der Imkerschule ist die Praxis mittlerweile das Hauptthema.

Welche ist die größte Herausforderung für ImkerInnen?

Es ist schwer für StadtimkerInnen, einen geeigneten Platz in der Stadt zu finden. Danach werde ich oft gefragt. Viele fragen: „Wie macht ihr das, dass ihr so viele Stände habt, wo ich schon Schwierigkeiten habe, einen einzigen zu finden?“. Uns werden sie inzwischen angetragen. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass es sich herumspricht, dass wir das professionell machen. Die Arbeit dahinter ist ein bisschen anders, als die der ländlichen Imker. Wir müssen beispielsweis auch schauen, dass die Bienen nicht stören. Die Bewohner müssen keine Angst haben. Wir haben da bis dato nie ein Problem in Wien gehabt, weil sich die Bienen im Unterschied zu Wespen nicht für Innenräume interessieren. Manchmal aber fliegen sie doch rein, aber nur weil sie so intensiv nach Futter suchen.

Wie hat sich deine Sicht auf die Natur geändert seit du ImkerIn bist?

Ich gehe jetzt mit völlig anderen Augen als vor zehn Jahren durch die Welt. Die Naturwahrnehmung, die persönliche Wahrnehmung ändert sich. Die Probleme, die sich ergeben, die viele überhaupt nicht sehen. Und die Zusammenhänge, die auch vielen gar nicht bewusst sind. Die Leute glauben, wenn sie eine Balkonblume haben, dann haben sie die Biene gerettet. Ich trau mich es kaum sagen: Balkonblumen sind total super und nett und schön zum Anschauen, aber der Biene im klassischen Sinne bringt das sehr wenig. Wichtig ist, dass es in Wien weiter Linden gibt, andere Trachtbäume wie der Schnurbaum und, und, und, und. Das ist das, was aus Bienensicht die Power gibt.

Es gibt die Sorge, dass die Honigbienen Wildbienen vertreiben. Wie siehst du das?

Von der Befürchtung habe ich auch schon gehört. Ich habe mir das ein bisschen angeschaut im Bereich der wissenschaftlichen Studien. Es gibt da Studienergebnisse in alle Richtungen. Ich glaube nicht, dass es momentan einen Verdrängungswettbewerb gibt. Dass es zu wenig Wildbienen gibt, beziehungsweise dass sich die Wildbienen schwertun würde ich wesentlich mehr an den allgemeinen Umweltbedingungen aufmachen als an dem Thema, dass es zu viele Honigbienen gibt. Sie finden kaum noch Lebensräume. Wildbienen leben beispielsweise in schadhaften Mauerwerken oder Totholz. Das wird heute in der Kulturlandschaft immer weggeräumt.

Die Anzahl der ImkerInnen steigt. Die Anzahl der Bienenvölker nicht. Was ist deiner Meinung nach der Grund?

Ich glaube, dass die Anzahl der Völker damit zu tun hat, ob es ein Erwebsimker ist oder ein Hobbyimker. So viele Hobbyimker können gar nicht anfangen, wenn ein Erwerbsimker aufhört. Für die Menge der Bienenvölker sind die Erwerbsimker verantwortlich. Wobei das in Österreich nicht ganz so ausgeprägt ist, weil es sehr viele Hobbyimker gibt. Ich habe jetzt gerade einen Kollegen aus Bukarest zu Besuch gehabt. Die dürfen in der Stadt nicht imkern, weil dort die Erwerbsimker so stark sind, dass die Hobbyimkerei möglichst klein gehalten oder gar nicht erst zugelassen werden soll.

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Ein ganz wesentlicher Bienenschutz ist es, wenn Unternehmen und Privatpersonen lokalen Honig kaufen. Da reicht es nicht nur, österreichischen zu wählen. Kauft den Honig aus der näheren Umgebung. Aber ist ein bisschen wie Bio kaufen. Es geht beim Bio aus meiner Sicht nicht primär darum, dass man ein besonders gesundes Nahrungsmittel kauft. Wenn ich Bio-Lebensmittel kaufe, dann unterstütze ich mit meinem Kauf die Betriebsweise auf die Fläche, die ich eigentlich haben möchte. Das heißt, je mehr Bio kaufen, desto mehr Bio wird es geben. Und das hat gravierende Auswirkungen. Zwei Dinge sind wichtig für nachhaltigen Bienenschutz: ein Aufstellungsplatz und engagierte Imker, die sich längerfristig um die Bienen kümmern. Es wäre sehr schade, wenn JungImkerInnen ihre Bienenvölker und -stöcke verwaisen ließen, die sie bekommen. Die Vorinvestition und monetäre Barriere, die ein Imker überwinden muss, ist meines Erachtens sinnvoll, da es nicht nur Hobby und Spaß ist, sondern eine aufwendige Aufgabe. Meine Befürchtung ist, je mehr JungImkerInnen ein Volk und Stock geschenkt bekommen, desto weniger schätzen sie es. Sprich, wir werden sehr viele verwaiste Bienenvölker und Betreuungsplätze finden. Eine Barriere wie die Vorinvestition ist wichtig. Wer selbst kauft, schaut auch darauf. Gut wäre es, wenn die ImkerInnen durch einen konstanten Abnahmepartner wie eine Firma motiviert werden. Sodass sie ihren Honig los werden für einen guten Preis. Wenn sich die Gemeinde jetzt dazu entschließt, dass sie zum Beispiel ganz bewusst mit Blühstreifen neben Straßen anfängt. Das ist genauso gut, wie das auch ganz bewusste sehr wenige Mähen. Außerdem sollten weniger Menschen und im Speziellen Landwirte gewisse Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat nicht mehr einsetzen. Die Summe aller Dinge würde helfen.

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

Bitte mach eine ordentliche Praxis, bevor du anfängst. Damit du wirklich weißt, was auf dich zukommt. Es ist nämlich Arbeit. Das unterschätzen die meisten. Man hört junge ImkerInnen auch oft sagen: „Ich lasse lieber den Honig den Bienen und nehme ihnen den Honig nicht weg.“ Da kann ich jetzt als jemand, der bisschen länger mit den Bienen arbeitet, antwortet: Das ist eine Ausrede bei Überforderung. Nicht, weil sie die Bienen so lieben. Weil das heißt nämlich, dass der Bienenstock nicht angegriffen wird, weil sie es sich nicht trauen. Das heißt, es bleiben die alten Waben drinnen, sie haben keinen Wabentausch. Die Bienen sitzen auf den alten, schwarzen, grauseligen Waben, die mit Viren vollgepflastert sind und das ist eine gute Chance, dass sie nicht über den Winter kommen. Zum einen sollte man zumindest einen Kurs in der Imkerschule oder bei einem anderen Anbieter machen. Es sollte ein Praxisteil dabei sein, früher waren die Einsteigerkurse fast alle, auch in der Imkerschule, eher nur Theorie. Wie hat früher der Imker angefangen? Er ist mit seinem Großvater mitgegangen. Nicht nur ein Jahr, sondern jahrelang. Der hat nicht mal gemerkt, dass er gerade etwas gelernt hat, weil er einfach hinein gewachsen ist. Heute fehlt den Leuten der Bezug. Von Null auf Hundert – das funktioniert bei Wenigen. Die Vereine bieten Praxis-Möglichkeiten mit Vereinsständen. Auch das wäre eine Möglichkeit für Firmen, da unter die Arme zu greifen, weil das auch ein bisschen aufwendig ist. Wir schreiben zudem jedes Jahr Praxisimker aus. Da gibt es ein paar verschiedene Stufen. Von einer mit Kosten von 400 Euro im Jahr, abgestuft bis null Euro. Abhängig davon, wie hoch das Mithelf- und Mitarbeitelement ist. Wenn man sich nur dieses Know-how abholen möchte zu den eigens gewählten Zeiten, dann kostet es halt was. Und wenn ich bereit bin, was empfehlenswert wäre, dass ich auch substantiell, etwas mitmache, dann lerne ich einfach das ganze Bienenjahr kennen. Dann merken Interessierte, dass sie auch Lagermöglichkeiten benötigen und sich überlegen müssen, was sie mit dem Wachs machen wollen. Ein Bienenvolk alleine ist nicht zu empfehlen. Man sollte eigentlich nichts unter Drei machen. Wenn du das langfristig machen möchtest, hast du immer einen Puffer, falls einem Bienenvolk mal etwas passiert. Als Profi mit drei, vier Saisonen wird man immer entspannter.

Was denkst du über Hektar Nektar?

Ich finde die Idee des Marktplatzes sehr gut. Darüber habe ich schon einige Völker und Königinnen verkauft. Ich denke, mit Hektar Nektar wird eine Lücke gefüllt. Also eine zentrale Stelle, wo eben auch Bienenvölker verkauft werden können. Auch das Konzept mit den papernucs war wirklich tadellos. Also das muss man echt sagen: Da ist schon sehr viel Hirnschmalz reingegangen. Bienen verschicken mit euch ist einfach. Vorher sind die, die wir verkauft haben, immer abgeholt worden. Ich hätte ohne euch nie zu verschicken angefangen, ganz ehrlich. Aber das mit der Spedition ist sehr gut gegangen. Hektar Nektar hat einen neuen Verkaufskanal für mich geschaffen mit überwiegend deutschen Kunden. Zum Projekt 2028: Ich habe die Befürchtung, dass die Leute ein bisschen blauäugig in die Sache hineingehen. Wir haben heute so viele Anfragen wie noch nie – teilweise von Leuten, die die Waben herausnehmen und dann nicht wissen, was sie damit tun sollen. Das ist sehr unverantwortlich. Deshalb ist es wichtig, dass die Imker bewusst ausgesucht werden – so wie ihr es machen wollt. Damit nur ausgebildete Imker im Projekt 2028 unterstützt werden und wir keine verwaisten Bienenvölker haben.

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