Judith Kleis
Judith Kleis
aus 21244 Buchholz, Deutschland
imkert seit 2014

Der Organismus Bien fasziniert mich: wie die einzelne Biene nur an Bedeutung erlangt, wenn der Staat zusammenarbeitet. Das ist ein wunderbarer Ansatz, den wir Menschen für uns mehr verinnerlichen sollten.

Imkerin

Hallo! Ich bin Judith

Ich betreue ein Bienenvolk seit 2014
Über mich

Stell dich doch kurz vor!

Ich heiße Judith, bin Mutter von 2 fantastischen Töchtern im Alter von 0 und 3 Jahren und Lehrerin an einer Gesamtschule in der Nordheide. Ich imkere privat, aber auch in der von mir (sich im Aufbau befindenden) Schulimkerei. Ich habe seit 2014 immer zwischen 2 und 5 Völkern und konnte sowohl meinen Schwiegervater als auch meine Mutter bereits von der Imkerei begeistern.

Wieso imkerst du?

Ich liebe das Imkern, weil ich es liebe, den Bien bei seiner Entwicklung zu beobachten. Es fasziniert mich, zu sehen, dass meine imkerlichen Eingriffe direkte Auswirkungen haben. Diese zu beobachten und zu analysieren macht mir wahnsinnig Spaß.

Schule, Pate oder Selbststudium – wie hast du das Imkern erlernt?

Ich habe 2012 während meines Staatsexamens angefangen, mich intensiv mit der Honigbiene zu beschäftigen, nachdem ich den Film more than Honey gesehen habe. Kurz darauf belegte ich den Anfängerkurs im Bienenzüchterverein Karlsruhe und kam seither nicht mehr weg vom Imkern.

Interview

Welche ist die größte Herausforderung für ImkerInnen?

Die Varroamilbe. Trotz der Verabreichung von Arzneimitteln können die Bienen an der Varrose sterben. Die Bienen haben im Herbst keine Milben mehr, aber der Virus tötet das Volk über den Winter. Ein gutes Händchen für die Gesundheit des Volkes zu haben, ist also unabdinglich und muss in jedem Falle berücksichtigt werden. Auch wenn das bedeutet, von einem Volk weniger Honig ernten zu können.

Was lernen ImkerInnen genau?

Dass sich das Klima wandelt und wie anhängig der Organismus Bien vom Klima, aber auch vom Wetter ist. Folgt auf ein Hochdruckgebiet schnell ein Tiefdruckgebiet, haben manche Menschen kopfschmerzen oder gar Gliederschmerzen. Die Bienen zeigen es mit einer erhöhten Agressivität, die ihnen nicht zu verdenken ist. In solchen Fällen sollte man das Volk in Ruhe lassen. HobbyimkerInnen müssen also auch lernen, dass ihr Hobby nicht immer dann stattfinden kann, wenn sie gerade mal Zeit für die Bienen haben. Vielmehr sollte man überlegen: haben die Bienen gerade Zeit für mich? Brauchen sie mich gerade?

Wie hat sich deine Sicht auf die Natur geändert seit du ImkerIn bist?

Ich beobachte das Nahrungsangebot für meine Bienen sehr genau. Ich weiß jetzt, wie die Pflanzen heißen, die in meiner Umgebung wachsen, weiß, wann sie blühen und ob sie ein reichen Nektar- oder Pollenangebot für meine Bienen bergen. Ich weiß aber auch, welche Pflanzen und Blüten meinen Bienen gar nichts bringen oder sogar Gefahren bergen, wie der Raps, der so intensiv mit Insektiziden bespritzt wird.

Wie nutzt du Vereine und wie ist der Zusammenhalt?

Sofern es mir möglich ist, nehme ich aktiv am Vereinsleben teil. Ich liebe es, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Leute kennenzulernen, mit denen man die gleiche Leidenschaft teilt. Leider sehen das in einem Verein nicht alle so, aber davon lasse ich mich nicht beirren.

Was kostet der Start in die Imkerei und was der laufende Betrieb?

Für das Starterset habe ich anno dazumal fast 1500 Euro investiert. Das war zu meiner Studentenzeit zwei Monatsgehälter. Ein paar Altimker, die auf Dadant umgestellt haben, haben mir ihre alten Heroldbeuten geschenkt, das war eine wahnsinnige Erleichterung. Allerdings habe ich schnell gemerkt, warum sie für die Beuten keine Gegenleistung erwarteten (Holz verzogen, Spechtloch, Spalten im Holz, sodass Zugluft im Stock entstand...). Seitdem ich in Norddeutschland Imkere und berufstätig bin, habe ich meinen Bestand erneuern können. Allerdings fehlen mir noch viele Gerätschaften, um wirklich alle Arbeiten, die im Laufe des Jahres anstehen, bewerkstelligen zu können. Zum Imkern gehört hat mehr als eine Beute und ein Stockmeißel. Die laufenden Kosten im Jahr schätze ich bei meinen 4 Völkern auf 500 bis 1000 Euro. Da ich meinen Honig (noch) nicht vermarkte, sondern verschenke, ist die Imkerei für mich ein sehr kostspieliges Hobby. Aber ich liebe es!

Kannst bzw. möchtest du von der Imkerei leben?

Nein. Ich liebe meinen Job als Lehrerin. Ich habe die Möglichkeit, an meiner Schule eine Schulimkerei zu leiten. In gewisser Weise habe ich also mein Hobby in meinen Job integriert. Noch stehen wir mit den Schülern in den Startlöchern. Aber ich habe viel vor!

Es gibt die Sorge, dass die Honigbienen Wildbienen vertreiben. Wie siehst du das?

Wildbienen und Hummeln fliegen teilweise andere Blüten an, als die Honigbienen. Ich denke nicht, dass es generell zu viele Bienen gibt, die sich gegenseitig das Essen wegnehmen. Im Gegenteil. Die Population an Wildbienen geht stark zurück. Das liegt aber nicht an zu vielen Honigbienen, sondern an der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Rückgang des natürlichen Lebensraums der Wildbienen.

Ältere ImkerInnen sollen angeblich ungern ihr Wissen teilen. Was denkst du darüber?

Es gibt ImkerInnen, die sich hier verhalten zeigen. Das sind aber nicht unbedingt die Alten. Im Bienenzüchterverein Karlsruhe konnte ich diese Erfahrung nicht machen: Hier hatten sich gerade die Älteren in den 2010er Jahren zusammengeschlossen, um ihr Wissen an Anfänger weiterzugeben, weil sie bemerkten, dass ein Generationenwechsel stattfindet und es immer weniger Berufsimker gibt.

Sind Bienen das anstrengendste oder betreuungsintensivste Haustier?

Nein, auf keinen Fall. Wenn man es geschickt anstellt und etwas Erfahrung hat, gehe ich im Jahr 10 bis 15 Mal an die Bienenvölker. Und das ist schon viel. Berufsimker kommen bestimmt mit fünf Eingriffen pro Volk pro Jahr aus und die haben dann 5 Mal mehr Honig als ich... Was Zeit schluckt, ist die handwerkliche und organisatorische Arbeit rund um die Bienen. Beuten bemalen, Rähmchen säubern und desinifizieren, Wachs schmelzen und klären, Honig schleudern und vermarkten etc. Auch die Auseinandersetzung mit Fachliteratur sollte hier einbezigen werden. Wenn man ein guter Imker sein möchte, sollte man sich eine Fachzeitschrift abonnieren und immer mal wieder neue Forschungsergebnisse checken. Ach sollte man sein Handeln am Volk und dessen Kosequenzen analysieren und sich über die Folgen seines eigenen Tuns klar werden. Hierzu hilft es, mit anderen Imkern ins Gespräch zu kommen. Nur so kann man sich stets verbessern. Das bedeutet auch, immer offen für Neuerungen zu sein und nicht auf seiner Betriebsweise zu verharren.

Die Anzahl der ImkerInnen steigt. Die Anzahl der Bienenvölker nicht. Was ist deiner Meinung nach der Grund?

Früher hatten wenige Imker viele Völker, heute halten sich viele Imker wenige Völker. Die Imkerei wird mehr und mehr zu einem Hobby.

Was unterscheidet die neue Imkergeneration von der alten?

Wir sind mehr. Wir sind tendenziell jünger, wir sind weiblicher als die alte Generation.

Wie viel sollte ein Kilo Honig deiner Meinung nach kosten?

Die effektiven Kosten für ein Kilo aus meinem Honig liegen bei ca. 80 Euro, wenn ich nur die Investitionskosten und nicht meine Arbeitszeit berechne. Also - so meine Argumentation - brauche ich den Honig auch nicht für die üblichen 5 bis 7 Euro verkaufen. So oder so: Es ist ein Minusgeschäft. Da kann ich meiner Familie, Freunden und Nachbarn doch lieber eine Freude bereiten und meinen Honig verschenken. Wieviel er im Handel kosten sollte ist eine schwierige Frage: Solange Honig aus anderen EU Staaten und aus anderen Ländern angeboten wird, können die deutschen Imker nicht mehr Geld für ihren Honig verlangen, da sie konkurrenzfähig bleiben müssen, auch wenn ihre Produktionskosten weit über denen der Imker aus Bulgarien oder China liegen.

Gibt es ein Bienensterben oder nicht? Begründe bitte deine Meinung.

Ja das gibt es. Ein Bienensterben, das von uns Menschen herbeigeführt wurde und weiterhin wird. Die Fiktion, die Maja Lunde in ihrem Roman "Die Geschichte der Bienen" aufzeichnet, ist meiner Meinung nach nicht weit hergeholt. Der Mensch greift in das Ökosystem massiv ein, weil er auf Profit aus ist. Dies geht zu Lasten der Natur und man merkt es unter anderem am Bienensterben.

Ist der/die ImkerIn der größte Feind der Bienen?

Nein. Der Imker liebt die Biene. Aber naturgemäß ist die Zucht und die Betriebsweise der Imker nicht. Der Imker domestiziert die Biene. Wenn man also die Bienen retten möchte, dann sollte man nicht Imker werden, sondern lieber Nisthilfen für Wildbienen aufstellen und sich in seiner Kommune für Rückzugsflächen für Wildbienen und Insekten einsetzen.

Frage 3 ImkerInnen, bekomme 4 Antworten. Wieso ist das so in der Imkerei?

Weil die Imkerei eine Wissenschaft ist. Um wirklich mitreden zu können, muss man Forschung betreiben UND imkern. Theorie und Praxis. Die meisten Imker haben aber nur ein Grundwissen über die Honigbiene und die Imkerei und lernen viel aus Erfahrung. Die gemachten Erfahrungen sind regional unterschiedlich und können unterschiedlich interpretiert werden. Ein Imker hat immer eine bestimmte Handlungsabsicht. Aus dieser Sicht wird ein Ereignis interpretiert und gewertet. Die Folge sind unterschiedliche Antworten auf ein und dasselbe Problem.

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Weniger Pestizide in der Landwirtschaft aber auch im heimischen Garten.

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

Einen Schnupperkurs. Ein Jahr - und die Zeit sollte man sich nehmen - über die Schulter eines erfahrenen Imkers gucken. Und dann entscheiden: Ist das Imkern etwas für mich? Kann ich damit der Umwelt etwas Gutes tun? Habe ich genug Zeit für ein solch kostspieliges Hobby, damit ich es auch entsprechend genießen kann, ohne dass es anfängt mich zu stressen? Bin ich allergisch? Wie reagiere ich, wenn sich eine Biene in meinen Haaren verfängt? Kann ich ruhig bleiben? Mag ich handwerkliche Arbeit? Habe ich einen Schuppen, wo ich die Gerätschaften unterbringen kann? ...

Was denkst du über Hektar Nektar?

Tolle Idee. Völker über Ebay zu kaufen / verkaufen war mir schon immer ein Dorn im Auge. Hier hat man mehr Sicherheit. Denn die Gesundheit der Bienenvölker ist das A und O. Nicht nur für die eigenen Bienen, sondern auch für die Bienen in der Nachbarschaft. Dass der Einzelne Verantwortung für das Ganze trägt wird auch hier deutlich. HektarNektar hat diesen Gedanken ganz wunderbar implementiert.

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