Lucas Müllers

Lucas Müllers, 32 imkert seit

In 2,3 Sätzen: Was fasziniert dich an der Biene?

Mich fasziniert vor allem das komplexe Zusammenspiel, des gesamten Bienen-Organismus. Der Aufbau und die einzelnen Abläufe sind einfach hochinteressant und ich könnte Stunden damit verbringen den Tieren zuzuschauen.

Über mich

Stell dich doch kurz vor: Wie bist du zur Imkerei gekommen?

Angefangen hat im Grunde alles mit dem Insektensterben, was mich übrigens gedanklich nicht mehr losgelassen hat. Als gelernter Zierpflanzengärtner, waren mir die Auswirkungen natürlich sofort bewusst und ich wollte mich damit einfach nicht abfinden. Ich begann also meinen Garten möglichst Naturnahe umzugestallten und soviele Blühpflanzen wie möglich anzusiedeln. Auch ein kleines Gewässer sowie Wildblumen durften natürlich nicht fehlen. Später baute ich noch einige Insektenhotels sowie Hummelnester usw. Doch was ich auch tat, keine Biene kreuzte in meinem mittlerweile Blüten reichen Garten auf. Wo waren die Bienen? Erstmals bemerkte ich, wie sehr das Insektensterben auch die Biene betroffen haben musste und ich beschloss, selbst welche anzusiedeln und stolpperte Kopfüber in die eigene Imkerrei. :)

Wieso imkerst du?

Die Imkerrei ist für mich persönlich nicht einfach nur ein Hobby, sie ist viel mehr eine echte Passion. Durch die Imkerrei habe ich meinen komplette Sicht auf die Natur und deren kleine Bewohner, stark zum positiven verändert. Ich genieße das Leben um mich herum und freue mich auf jeden weiteren Tag, mit meinen Bienen zu arbeiten. Doch erfreuen kann ich mich seit dem, an jedes einzelne Lebewesen.

Schule, Pate oder Selbststudium – wie hast du das Imkern erlernt?

Ich habe mich bereits großflächig im Netz informiert und lerne durch diverse Lektüren. Vor allem aber die Kurse die ich in meinem Verein belege, helfen mir weiteres Wissen anzuhäufen. Auch mein Beruf als Gärtner, kommt mir natürlich da bei sehr zu gute.

Welche ist die größte Herausforderung für ImkerInnen?

Nun ich fürchte momentan ist es vor allem die Behandlung der Völker um Parasiten wie die Varoamilbe einzudämmen.

Was lernen ImkerInnen genau?

Na den Umgang mit Bienen!^^ 😀 Natürlich ist diese Aussage nicht gerade befriedigend und deshalb gehe ich mal etwas genauer ins Detail. Imker lernen zb. wo sie eine Beute (Bienenkasten) aufstellen dürfen. Aber damit ist es noch lange nicht getan, man muss auch lernen wann Bienen zu füttern sind. Auch ist es wichtig zu wissen, wann eine Behandlung zb. gegen die Varomilbe erforderlich ist. Gerade eine Behandlung kann sehr komplex sein, wenn man bedenkt was man alles wissen muss. Hier ist die Dosierung eines Mittels genauso wichtig, wie die Wahl des Mittels selbs. Viele Fragen stellen sich zu solchen Themen wie zb. diese: Ist eine Behandlung überhaupt notwendig und wie erkenne ich das? Wann ist der beste Zeitpunkt? Leidet mein Bienenvolk unter einer Krankheit und vor allem welcher? Auch bei der Hönig-Ernte und deren Verarbeitung ist viel zu beachten! Daher ist Imkerrei ein komplexes Thema und es gilt eine Menge zu lernen. 🙂

Wie hat sich deine Sicht auf die Natur geändert seit du ImkerIn bist?

Nun meine Sichtweise hat sich um ein vielfaches verändert, denn die Arbeit die Bienen und andere Insekten zum Erhalt des Ökosystems leisten ist nicht in Gold aufzuwiegen. Dies zu wissen ist das ein, doch es wirklich zu sehen und zu fördern, ist was komplett anderes. Außerdem ist es was wunderschönes möchte ich anmerken.

Wie nutzt du Vereine und wie ist der Zusammenhalt?

Nun das was ich bisher beurteilen kann ist, dass unser Verein im Gegensatz zu anderen Vereinen, vor allem die Praxis im Vordergrund stellt. Diese gemeinsame Arbeit verbindet und daher denke ich, dass dies den Zusammenhalt stark fördert.

Was kostet der Start in die Imkerei und was der laufende Betrieb?

Nun es kommt drauf an was man genau vor hat und mit wieviel Völken man startet. Aber mit der gesamten Ausrüstung, liegt der Start mit 3-4 Völker locker bei ca: 2000-2500 Euro. Eine Investition die man mit dem Honigertrag oder dem Verkauf von Ablegern/Königinen wieder rein bekommen sollte bzw. auch muss. Doch auch laufende Kosten wie zb. der Kauf von Nahrung/Behandlungs-Mitteln etc.bringt laufende Kosten mit sich die bei einigen 100 Euro liegen können.

Kannst bzw. möchtest du von der Imkerei leben?

Um davon zu leben, müsste man wohl zwischen 70 - 150 Völker besitzen und das Ziel ausschließlich auf den Ertrag von Honig etc. konzentrieren. Ob diese Art der konventionellen Massenhaltung immer gut ist, kann ich nicht genau sagen. Ich persönlich sehe das ganze eher als eine Passion die Tiere zu behüten um ganz einfach mit ihnen zu leben statt vollkommen ihnen alles zu nehmen. Daher meine Antwort: Ich lebe mit den Bienen :)

Es gibt die Sorge, dass die Honigbienen Wildbienen vertreiben. Wie siehst du das?

Ich denke das dies eine glatte Ausrede ist! In Wahrheit ist es doch die starke Bebauung, der Einsatz von Insektiziden, Umweltverschmutzung und das Einschläppen von Krankheiten oder Parasiten durch den Menschen die das empfindliche Ökosystem stört bzw. zerstört. Natürlich ist die Arbeit aller Insekten- Populationen gleich wichtig und im übrigen sind diese sogar eng miteinander verbunden. Die Bienen jedoch nehmen eine wichtige Schlüsselposition in Sachen bestäuben ein. Außerdem weiß jeder Imker, dass Bienen nicht überleben können wenn nicht genügend Blühflächen ganzjährig zuverfügung stehen. Hier liegt eines der größten Proble und das nicht nur für Bienen sondern für alle Insektenarten. Die meisten Imker legen mittlerweile sogar eigene Wildblumenwiesen an wo von nicht nur Hönigbienen sondern auch alle anderen Arten einschließlich der Pflanzen profitieren. Dennoch nun

Ältere ImkerInnen sollen angeblich ungern ihr Wissen teilen. Was denkst du darüber?

Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nichts gehört, aber ich denke das neue Methoden an ältere Imker nicht immer sofort Anklang finden.

Sind Bienen das anstrengendste oder betreuungsintensivste Haustier?

Ich denke das dies nicht wirklich zu trifft, denn ich kann meine Bienen auch mal vier Wochen nicht besuchen und diese kommen wunderbar klar.^^ Mit einem Hund oder einer Katze könnte man das sicher nicht machen.^^

Die Anzahl der ImkerInnen steigt. Die Anzahl der Bienenvölker nicht. Was ist deiner Meinung nach der Grund?

Wenn dies zutrifft, könnte ich mir dies nur mit einem stetig ansteigenden Verlust von Völkern erklären. Evtl.durch Krankheiten... Eine weitere Erklärung wäre das Altern der Imker die früher oft viele Völker hatten. Jungimker haben oft wenige Völker, da diese durch den Beruf etc.kaum noch Zeit für mehr Völker haben.

Was unterscheidet die neue Imkergeneration von der alten?

Die neuen Generationen sind vor allem mit mehr Krankheiten und Parasiten konfrontiert, als dies damals der Fall gewesen war.

Wie viel sollte ein Kilo Honig deiner Meinung nach kosten?

Normal müsste der Preis aufgrund der Arbeit etc. bei 50 Euro liegen. Doch realistisch wird der Preis sich aufgrund des Aufwandes und der weltweiten Entwicklung in Sachen Ökosystem bei sicherlich 20 Euro oder mehr einpendeln.

Gibt es ein Bienensterben oder nicht? Begründe bitte deine Meinung.

Ohne den Menschen gebe es sicherlich kein Sterben soviel steht fest! Doch die sogenannten Wirtschaftsvölker würden innerhalb von 2 Jahren ohne Behandlung gegen die Varomilbe sterben auch das ist sicher. Wildbienen und andere Insekten sterben ebenfalls, wenn nicht eine grundlegende Veränderung in Sachen Naturschutz stattfindet und das ist ein Fakt!

Ist der/die ImkerIn der größte Feind der Bienen?

Nun die Bienen merken sich wer ihnen gut tut und wer nicht. Den die Bienen weiß es schließlich an besten und daher kommt es darauf an, wie der Imker mit den Tieren umgeht. Ist er nur auf Ertrag aus oder liegt im das Wohl der Tiere am Herzen. Fiese Tiere merken das einfach :)

Frage 3 ImkerInnen, bekomme 4 Antworten. Wieso ist das so in der Imkerei?

Weil Imker sich in der Regel gegenseitig helfen und Informationen gerne miteinander austauschen. Treffe ich einen Imker so ist es oft eine LANGE aber auch interessante Unterhaltung :)

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Unberührte und streng geschütze Flächen, nur für Bienen ohne Einmischung durch den Menschen (Wildbienen). Verzicht auf Insektiziden in allen Bereichen! Örtliche Imker mit Grünflächen etc. unterstützen! Für Gemeinden und Privatpersonen: Wildblumenwiesen im großen Still anlegen und Privatpersonen durch Programme auffordern, solche auch in ihren Gärten anzulegen. Pflanzenzüchtungen ohne Pollen zu verbieten um wertvollen Platz in Gärten und Anlagen nicht sinnlos zu verschwenden. Wenn es ein Gesetz gäbe, was jeden Grundstücksbesitzer verpflichten würde nur 10-50qm Wildwuchs zuzulassen, könnte dies Wunder bewirken. Das Gleiche müsste im größeren Still in der Landwirtschaft passieren. Auch die Medien müssten dazu zb. im Fernsehen animieren. Ungenutzte Flächen müsste man grundsätzlich natürlich anlegen so das Rückzugsgebiete bzw. kleine Ökosystem entstehen können.

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

Am besten gleich in einen örtlichen Verein eintreten um so Fehler zu vermeiden.

Was denkst du über Hektar Nektar?

Ich finde die Initiative klasse die Hektar Nektar zum Schutz von Insekten unternimmt. Auch das Verknüpfen der einzelnen Imker/Vereine ist klasse! Momentan wünsche ich mit nicht mehr von Hektar Nektar – sollte mir etwas einfallen, melde ich mich gerne:)

Wir benützen Cookies um die Benutzerfreundlichkeit der Webseite zu erhöhen. Wenn du auf „Ich akzeptiere“ klickst, nehmen wir an, dass dir das recht ist. Du kannst natürlich später deine Cookie-Einstellungen jederzeit wieder ändern.