Petra & Theresa Dirtl

Petra & Theresa Dirtl, 35 aus 1020 Wien, Österreich
imkert seit 2015

In 2,3 Sätzen: Was fasziniert dich an der Biene?

Die Wabe in der Hand zu halten und die Komplexität des Themas hat uns fasziniert. Je mehr man liest darüber, desto komplexer wird alles. Und jetzt sind es schon einige Jahre und wir haben noch immer das Gefühl, dass wir so viel noch nicht wissen. Wir wissen natürlich schon viel mehr, aber es ist immer noch unglaublich spannend – und so schön.

Über mich

Stell dich doch kurz vor!

Theresa Dirtl: Ich war zuerst dabei. Stefan ist ein Freund von mir, der mittlerweile seit acht Jahren imkert. Er steht mit seinen Bienen in einer Kleingartensiedlung beim Gänsehäufel. Ich habe ihm immer über die Schultern geschaut – da hatte ich das Feld noch nicht für mich entdeckt. Von Stefan habe die ersten zwei Bienenvölker bekommen. Heute haben wir 15. Petra Dirtl: Im Februar 2016 habe ich hier angefangen und das Feld umgegraben. Ich hatte bis dahin eigentlich immer Angst vor Bienen und Hummeln und Wespen und allem, was brummt. Also im Frühling oder im Sommer habe ich gemerkt, dass ich mich nicht entspannen kann, weil ich einfach permanent diese Phobie habe. Dann haben Theresa und ich uns kennengelernt. In dem Jahr war die Fußball-WM und wir haben viele Matches zusammen am Feld angeschaut. Da bin ich immer ein bisschen näher zu den Bienen gerückt, bis ich irgendwann auch einmal eine Wabe anfassen wollte. Einerseits hatte ich immer noch Angst, andererseits war da die Faszination. Irgendwann war dann die Faszination größer als die Angst.

Wieso imkerst du?

Theresa Dirtl: Ihm über die Schulter zu schauen, hat mich schon neugierig gemacht. Ich hatte schon Bücher gelesen, bevor ich den ersten Bienenstock hatte und mir von ihm Tipps geholt. Die Wabe in der Hand zu halten und die Komplexität des Themas hat mich fasziniert. Je mehr man liest darüber, desto komplexer wird alles. Und jetzt sind es gute drei Jahre und ich habe noch immer das Gefühl, dass ich so viel noch nicht weiß. Ich weiß schon viel mehr, aber es ist immer noch unglaublich spannend und auch schön. Gleichzeitig kommt die Erfahrung dazu, die einem sagt, was man sieht, wenn man sich allein ein, zwei Waben anschaut. Das war in der ersten Saison nicht so – da habe ich den Bienenstock immer ganz auseinandergenommen. Die armen Bienen.

Schule, Pate oder Selbststudium – wie hast du das Imkern erlernt?

Im Sommer 2015 habe ich Kurse in Wien gemacht und auch endlich Bienen aufgestellt. Albert Schittenhelm, bei dem ich die Kurse in Wien gemacht habe, auch ganz ein toller Imker, der hat immer gemeint: „Sucht's euch ein Volk aus, das ihr zu Tode schaut’s.“ Man lernt einfach auch wahnsinnig viel dabei. Das ist jetzt aber nicht mehr notwendig und das ist irgendwie schön, wenn man die Erfahrung dann schon hat und mehr weiß, was man tut, wie sie ticken. Auf der anderen Seite ist aber immer noch so viel, was man nicht weiß.

Was kostet der Start in die Imkerei und was der laufende Betrieb?

Theresa Dirtl: Also ein Bienenstock ohne Bienen mit den Flachzangen kostet ungefähr 120 Euro. Ein gedrahtetes Rähmchen kostet 1 Euro, das Kilo Biowachs um die 26 Euro. Biofutter kostet auch um die 25 Euro, der 14 Kilogramm Kanister. Pro Bienenvolk muss man ungefähr 20 Kilogramm einfüttern, damit sie über den Winter kommen. Wir nehmen ihnen nicht den letzten Tropfen Honig weg, das ist uns wichtig. Wir nehmen wirklich nur den Überschuss, den gleichen wir dann mit dem Biofutter aus und lassen ihnen einige Kilogramm Honig zum Überwintern. Petra Dirtl: Also wenn man viele Bienenstöcke hat, ist es einfacher, wenn man einen eigenen Wachskreislauf hat. Wenn man das Wachs, das Futter und die Oxalsäure gegen die Varroa-Milbe zukaufen muss am Anfang für nur ein bis zwei Bienenstöcke, da lohnt es sich kaum. Das sind rund 300 bis 400 Euro laufende Kosten. Plus das Bienenvolk für rund 150 Euro. Theresa Dirtl: Wir vermehren schon länger Bienenvölker und wir probieren uns auch ein bisschen an der Bienen-Königinnenzucht. Aber das ist ein sehr komplexes Thema, in das wir uns noch ein bisschen einlesen müssen. Da müssen wir noch viel lernen. Aber Übung macht ja bekanntlich die Meisterin! Das wollen wir nächstes Jahr dann richtig angehen.

Kannst bzw. möchtest du von der Imkerei leben?

Theresa Dirtl: Wir vertreiben seit diesem Jahr Patenschaften. So konnten wir die laufenden Kosten des Jahres finanzieren. Das, was wir im Winter auf Weihnachtsmärkten verkaufen, ist unser Gewinn. Petra Dirtl: Im zweiten Jahr waren wir schon auf Null. Das war fein. Wir haben uns auch nicht vorstellen können, wie schwierig das wird mit den Patenschaften und wie anstrengend. Aber wir haben auch unglaublich nette Bekanntschaften gemacht. Es macht wirklich sehr viel Spaß. Die Freude mit den Bienen zu teilen, in einem fremden Garten zu sein, die Bienen zu betreuen und zu sehen, was die Menschen für eine Freude damit haben. Wir versuchen auch immer zu schauen, was man denn noch an Produkten alles anbieten könnte. Wir haben jetzt auch Wachstücher – die gehen eigentlich ganz gut. Das ist so eine Alternative für Alufolie und ja, da wird man auch langsam kreativer. Besonders, weil wir nur einen Fixstandpunkt haben, bieten wir nur einen Honig an und werden deshalb drumherum kreativer. Ich habe jetzt mit einem tollen Schmuck gestartet: Da ist so viel Honig drin wie eine Biene in ihrem Leben sammelt. Davon habe ich 30 bis 40 Stück produziert. Wir werden jetzt beim ersten Markt mal schauen, wie das überhaupt läuft. Wir werden davon nicht reich. Es soll die Aufmerksamkeit auf unseren Stand lenken als Eyecatcher. Sobald wir dann im Gespräch sind, ist eigentlich noch keiner ohne Honig nach Hause gegangen. Das schöne am Winter mit den Märkten ist, dass man in Kontakt kommt und man dadurch auch Interessenten, die Honig ja nur aus dem Geschäft kennen, auch so viel erklären kann. Was das Tolle daran ist und dass der Honig so anders schmeckt, weil Bienen auf einem anderen Standort sind und so andere Blüten anfliegen. Das ist überhaupt nicht so im Bewusstsein der meisten Konsumenten, dass man den gleichen Honig nicht nochmal herstellen kann.

Sind Bienen das anstrengendste oder betreuungsintensivste Haustier?

Petra Dirtl: Ich hab einen Border-Collie – ich stimme dem nicht ganz so zu. Theresa Dirtl: Find dich auch nicht, nein. Es gibt in der Saison sehr dichte Zeiten und wenn man wie wir noch nebenbei Jobs hat, ist es in manchen Wochen sehr viel Arbeit. Von der Arbeit kommen, Sachen packen, auf’s Feld rausfahren, mit den Bienen arbeiten, die Patenschaften organisieren, Honig ernten, … Es ist schon viel Arbeit, aber gleichzeitig ist es auch eine schöne Arbeit und dann hast du wieder die Wintermonate nach der letzten Honigernte, in denen die Bienen am liebsten in Ruhe gelassen werden. Im März geht’s los bis Ende August und dann sind sie eingewintert. Dann hat man wieder ein halbes Jahr, in dem man sich dem Honig widmen kann oder der Vermarktung.

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Petra Dirtl: Sie könnten natürlich Bienenpatenschaften kaufen. Unternehmen können auch ihre Mitarbeiter dafür begeistern oder Workshops anbieten – vielleicht hat ja jemand Lust, ImkerIn zu werden – oder als Mitarbeitergeschenke, Honig zu verschenken aus dem eigenen Umfeld. Es geht um das Bewusstsein – auch in der Stadt gibt es regionale Landwirtschaft. Es gibt sehr viele Bauern, die natürlich auch auf das regionale Marktangebot angewiesen sind und Imker gehören da eben auch dazu. Theresa Dirtl: Wenn Unternehmen viel Fläche haben, sollten sie natürlich Blühendes anpflanzen statt alles zu zu betonieren.

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

Theresa Dirtl: Ich bin selbst ja noch Jungimkerin – drei Jahre erst und die Saison ist kurz –, aber wenn jetzt jemand wirklich anfangen möchte, würde ich auf jeden Fall Kurse empfehlen. Kurse sind echt essentiell! Bienen sind Lebewesen, es ist nicht einfach sie zu betreuen, man muss sich wirklich auskennen und es ist nicht so, dass man sich einen Bienenstock in den Garten stellt. Den darf man auf keinen Fall sich selbst überlassen, man muss sich darum kümmern. Das ist jetzt nicht von mir, aber ein sehr schönes Zitat von Ira Albert: „Schau so oft rein in das Bienenvolk wie nötig und so wenig wie möglich.“ Das ist am Anfang wirklich schwer. Petra Dirtl: Sucht euch ein Volk aus, dass ihr zu Tode schaut und kümmert euch um die anderen nach Lehrbuch oder nach dem Kurs, was ihr gelernt habt. Theresa Dirtl: Außerdem viel lesen, immer wieder austauschen, in einem Verein Mitglied werden. Da erfährt man bürokratische Dinge, wie dass man sich beim WIS anmelden muss, dass man die Evidenzblätter abgegeben muss, dass man mit Sammelbestellungen günstiger zum Wachs oder zum Futter kommt. Jeder sollte zudem einen ImkerInnen-Pate haben. Petra Dirtl: Es ist total toll, wenn man jemanden kennenlernt, auch über das Internet, und einfach anfragt, ob man bei der Arbeit über die Schulter schauen und Fragen stellen darf, bevor man ein eigenes Bienenvolk kauft. Wir hatten jetzt auch jemanden, der uns regelmäßig begleitet und Löcher in den Bauch gefragt hat.

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